Yo, terror from Da HelL
Freitag, 18. Februar 2005, 17:08 Uhr
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Gestern fand ich folgende anonyme Botschaft/Drohung in meinem Briefkasten, die ich hier einfach mal unkommentiert reinstelle. Ich habe jedenfalls ziemliche Angst…

Bis denne…

Squalus



Let’s rock!
Montag, 18. Oktober 2004, 19:24 Uhr
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Keine Lust zum Schreiben (wie immer!). Zur Abwechslung gibt es diesmal eine Bildergeschichte.


Das ist mein Tascam 788 Digital-Dingsbums, mit dem ich selbstkompostierte Musik aufnehme.


Das Digital-Dingsbums hat ein externes Netzteil.


Das externe Netzteil wiegt ungefähr 1,5 kg

.


Am vergangenen Freitag wollte ich Musik machen.



Das Digital-Dingsbums ist normalerweise in einer Notebook-Tasche untergebracht.


Das dazugehörige Netzteil steckt normalerweise in der Seitentasche.



Dummerweise war am vergangenen Freitag der Reißverschluss der Seitentasche offen.


Die Fallhöhe des Netzteils betrug ungefähr 1,3m.


Ich hatte keine Schuhe an.



Hauptsache ist doch, dass das Netzteil noch ganz ist.


Bis denne…

Squalus



Human Spam Bomb
Samstag, 21. August 2004, 23:23 Uhr
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Vorhin hatte ich ein so dämliches Gespräch an der Türsprechanlage, dass ich mich spontan entschlossen habe, mein Schweigen zu brechen und das Sommerloch mit diesem Schwachsinnsdialog zu stopfen.


Türklingel: DINNNNNG-DANNNNNG-DONNNNNNGGggg….Ich: Hallo?

Klingelputzer:

Ich: Wer ist denn da?

Klingelputzer: Ja, hier ist Dingenskirchen von Arcor. Sind Sie der Herr Soundso?

Ich: Ja, bin ich.

Klingelputzer: Würden Sie mich bitte reinlassen?

Ich: Wieso sollte ich Sie reinlassen?

Klingelputzer: Ja, wir führen hier in der Gegend gerade Tarifsenkungen durch und dafür müsste ich rein.

Ich: Verstehe ich nicht ganz. Was hab’ ich mit Arcor zu tun? Ich bin Telekom-Kunde.

Klingelputzer: Sie bleiben auch Telekom-Kunde, aber Sie müssten mir mal kurz Ihre Telefonrechnung zeigen.

Ich: Nee, ich lasse Sie nicht rein.

Türsprechanlage: KLICK!


Geht’s eigentlich noch? Ein namhafter Telekommunikationskonzern schickt eine menschliche Spambombe an meine Haustür, weil er an meinem Mailfilter nicht vorbeikommt, oder was? Ich bin, gelinde gesagt, ein wenig sprachlos!Bis denne…

Squalus



Der verbockte Musenkuss
Mittwoch, 7. Juli 2004, 23:21 Uhr
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Nun wollte mich die Muse küssen, doch in einem Anfall von Leidenschaft beachtete ich leider nicht die erste Grundregel beim Musenküssen: “Die Zunge bleibt drin!” – Klar, dass die Muse Inspiration, Kreativität und Tatendrang in ihr edles Kofferset aus Pegasusleder packte und umgehend die Biege machte. Den versprochenen Liter Wasser aus der Kastalischen Quelle nahm sie selbstverständlich auch mit. Ein äußerst unfeiner Zug von ihr, wenn man bedenkt, dass mir dadurch nicht nur die Dichtergabe entgangen ist, sondern auch eine wichtige Flüssigkeitsdosis für das alltägliche Durchspülen meiner Nieren. So muss ich also weiter Leitungswasser aufsprudeln und hier unkreative Langeweiletexte verbrechen.

Augenblicklich fehlt mir auch noch die nötige Aggressivität, um meine üblichen Rundumschläge gegen alles und jeden zu verteilen. Vielmehr sorgt der überraschende Ausgang der Fußball EM für ein persönliches Stimmungshoch. Griechenland ist Europameister und die ‘großen Fußballnationen’ haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wenn das kein Grund ist, mich entspannt zurückzulehnen und mit Genugtuung festzustellen, dass auch Außenseiter auf diesem mistigen Planeten durchaus zum Zuge kommen können.

Klar, dass der Sieg der Griechen von deutschen Sportjournalisten gleich in einen quasi-deutschen EM-Triumph verdreht wurde. Wenn es die eigene Nationalelf nicht packt, klammert man sich eben an jeden Strohhalm, der sich anbietet. Natürlich kann man nicht leugnen, dass der Deutsche Otto Rehhagel hervorragende Arbeit mit seiner Mannschaft geleistet hat, aber letztendlich haben griechische Spieler auf dem Platz die Siege errungen. Das wurde meiner Meinung nach von der deutschen Sportpresse vor lauter Otto-Begeisterung kaum gewürdigt. Versteht mich bitte nicht falsch: Ich freue mich selbstverständlich für Rehhagel und erkenne seine Leistung uneingeschränkt an; mich nervt nur die Berichterstattung, die vor lauter Enthusiasmus für eine Einzelperson aus den Augen verliert, dass normalerweise das Team der Star ist.

Wo wir gerade bei Stars sind. Die Kommentatorengespanne des öffentlich-rechtlichen Fernsehens üben eine gewisse Faszination auf mich aus. Im Rentner-Sender ZDF konnten mich Wolf-Dieter Poschmann und Franz Beckenbauer vollends überzeugen. Es war mir ein Vergnügen, den beiden energiegeladenen Stimmungskanonen (ich hoffe, man bemerkt den ironischen Unterton) bei ihrem Treiben zuzuschauen. Poschmann konnte so rein gar keinen bleibenden Eindruck, höchstens einen farblosen, bei mir hinterlassen. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege… er hatte bei irgendeinem Spiel mal ganz hübsche Schuhe an. Beckenbauer hatte da etwas mehr Unterhaltungswert. Mit seiner feinen bajuwarischen Art und den ständigen ‘Ah-ähs’ strahlten seine Kommentare den Charme irgendeiner Rede Edmund Stoibers aus, jedoch ohne dessen ätzende Aggressivität. Besonders hoch rechne ich dem Kaiser übrigens auch an, dass er sich in der Frage, ob Christoph Daum als Völler-Nachfolger in Frage käme, nicht der verlogenen Pseudomoral der Daum-Gegner anschloss, sondern ihn trotz des ‘Makels’ als ‘idealen Trainer’ bezeichnete. Naja, die einen koksen, die anderen moppeln auf Weihnachtsfeiern herum. Man muss auch verzeihen können, schließlich sind selbst Prominente nur Menschen. — Warum bin ich heute eigentlich so nett?

Die “Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland” (kurz ARD) baute während der EM wieder einmal auf seine bewährte Muppet Show. Gerhard Delling und Günter Netzer gaben wieder einmal alles, um ihren großen Vorbildern Waldorf und Stadler in nichts nachzustehen. Das ungleiche Paar servierte – zumindest mir – ganz großes Fernsehen. Delling lieferte die Vorlagen – Netzer verwandelte sie wie gewohnt mit intelligenter Schnodderigkeit in säuregeladene Volltreffer. Normal finde ich diese Art des Journalismus nicht, aber äußerst unterhaltsam. Natürlich spielen die beiden ihre festgelegten Rollen, die nur noch wenig Rückschlüsse auf die echten Menschen hinter der Maske schließen lassen. Aber wen interessiert schon der Arm, der im Muppetkopf steckt? Hauptsache, das Infotaiment stimmt! Immerhin sind die Jungs in der Lage, auch nach einem langweiligen Spiel noch ein wenig Stimmung in den lahmen Fernsehabend zu bringen. Mir gefällt’s.

Das frühe Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft empfand ich persönlich als äußerst entspannend. Nicht, dass ich es Rudis Truppe gewünscht bzw. gegönnt habe, mich kotzte die typische Überheblichkeit an, die große Teile der Bevölkerung bei großen internationalen Fußballturnieren anfällt. Ich rede hier nicht von einer Überheblichkeit der Spieler oder des Trainers – beileibe nicht! Diese haben sich zurückhaltend und korrekt verhalten. Vor allen Dingen Rudi Völler bewies wieder einmal menschliche Größe – und das nicht nur durch seinen Rücktritt vom Amt des Bundestrainers. Ich meine die verblendete Sicht vieler Fans und Journalisten. Die Erwartungshaltung dieser Leute und den damit verbundenen Druck auf das Team kann man fast als seelische Grausamkeit deuten. Wehe, Deutschland fliegt zu früh aus dem Wettkampf. Plötzlich schlägt die optimistische Stimmung in Häme und Blutdurst um – man will Köpfe rollen sehen. Dass vielleicht schon im Vorfeld die Möglichkeit eines vorzeitigen Ausscheidens bestand, will natürlich niemand bemerkt haben. Nee, man ist ja Deutschland und haut wenigstens bis zu einem bestimmten Punkt die ‘kleinen’ Gegner souverän weg. So scheint jedenfalls die Sicht vieler, die nicht auf dem Platz stehen.

Mein Spott gilt nicht den Spielern und dem Trainer, denen ich ein Weiterkommen wirklich gegönnt hätte, sondern all denjenigen, die in ihrer Verblendung nicht erkennen können, dass eine Niederlage für jeden Teilnehmer eines Turniers durchaus eine Option ist. Naja, Hauptsache, man kann im Notfall den Knüppel rausholen und auch noch auf die Verlierer einschlagen. Typisch ist übrigens auch, dass in solchen Situationen gern auf andere gezeigt wird, um vom eigenen Schmerz abzulenken. Dass z.B. England, Frankreich oder die Niederlande ihrer Favoritenrolle nicht ganz gerecht wurden, war sicherlich manchem ein Trost. Aber letztendlich kann man sich bei einer Erkältung auch Hämorrhoidensalbe auf die Brust schmieren. Wenn man nur ganz fest daran glaubt, wird die Nase auch dadurch wieder frei.

Was bleibt von der EM?

Zunächst muss man jetzt noch wochenlang den offiziellen Song zum Wettkampf auf sämtlichen Radiostationen über sich ergehen lassen. Wenigstens ist das Liedchen nicht ganz so penetrant wie manch andere EM- oder WM-Hymne der Vergangenheit.

Bastian Schweinsteiger machte auf dem Platz einen äußerst guten Eindruck, sofern man auf seine Beinarbeit und nicht auf seine Frisur achtete. Wahrscheinlich kommt er irgendwann selbst auf den Trichter, dass die Haare von einem gelernten Friseur im Salon besser geschnitten werden als von einem sehgeschädigten Schwarzarbeiter im heimischen Wohnzimmer. Solange er aber weiterhin so gut spielt, halte ich mich mit meinen Sticheleien mal zurück.

Wie der griechische Co-Trainer heißt? Keine Ahnung! Aber immerhin hat die Gehirnwäsche gewisser Kommentatoren dafür gesorgt, dass ich jetzt weiß, dass er in Stuttgart geboren wurde. Das musste ja in jedem zweiten Satz explizit betont werden.

Wenn ich noch einmal den Begriff ‘Ottokratie’ in einer Sportsendung höre, laufe ich Amok!

Gegen das inzwischen salonfähig gewordene Trikotzerren und Aufstützen sollte man endlich etwas unternehmen. Die Kinderkacke nervt mich als Zuschauer und scheint den einen oder anderen Schiedsrichter zu überfordern. Ich fordere Fausthandschuhe für alle Spieler und gegen das Aufstützen hätte ich auch schon eine Lösung im Hinterkopf. Kennt Ihr diese Stacheln, mit denen verhindert werden soll, dass sich Tauben an bestimmte Plätze setzen? Es müsste sich nur ein Sportartikelhersteller dazu durchringen, solche Schulterspikes in sein Sortiment aufzunehmen.

Die Fußball-EM 2004 ist also vorbei – Gott sei Dank läuft jetzt die Tour de France! Olympia wird mir am Arsch vorbeigehen und bis zur Fußball-WM 2006 ist es noch lang hin. Soweit meine Sportplanung für die nächsten zwei Jahre.

Bis denne…

Squalus



Frische Hass-Häppchen
Freitag, 21. Mai 2004, 22:19 Uhr
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Ja, ich lebe noch! — Na und!?

Heute werfe ich nur mit kleinen Hass-Häppchen um mich, um wenigstens ein Lebenszeichen von mir zu geben. In den letzten Wochen durfte ich nämlich eine Schreibblockade aus nächster Nähe betrachten. Zwar gab es wieder viele Dinge in meiner kleinen verrückten Welt, die mir sauer aufstießen, doch brachte ich es einfach nicht fertig, diese auch in entsprechend böse Texte zu verpacken. Im Grunde meines Herzens bin ich nämlich nicht nur ein fieser, sondern auch noch ein fauler Mensch.

So müssen diese kleinen Hosenscheißer, die gerade mal den Führerschein haben und permanent eingeschaltete Nebelscheinwerfer für cool halten, leider so gut wie leer ausgehen. Sorry, Kinder, aber ich habe einfach keinen Bock, mich mit euren hohlen Köpfen zu beschäftigen. Vielleicht putzt ihr einfach öfter mal die Windschutzscheibe oder lasst frische Luft durch die Seitenfenster rein, dann verabschiedet sich nämlich auch der Eindruck von Nebel aus euren lächerlich lichtgetunten Kleinwagen. Sollte das Problem eher psychischer Natur sein (und davon gehe ich sehr stark aus), könnte man eventuell eine Führerscheinkontrolle an Kinokassen und Videotheken-Theken einführen. Unter drei Jahren nachgewiesener punktefreier Fahrpraxis wäre es dann nämlich Essig mit Filmen wie “2 Fast 2 Furious”.

Wo ich’s gerade von Fahrzeugen habe: Auch eine aggressive Designkritik scheiterte am ausgebrannten Dichterhirn. Schade, denn eigentlich hätte ich es durchaus interessant gefunden, zu erforschen, warum der Audi A2 so selten auf unseren Straßen zu sehen ist. In einem Land, in dem sich das geistige Niveau seiner Bevölkerung am gebotenen Fernsehprogramm messen lässt, ist es eigentlich erstaunlich, dass nicht mehr von diesen hässlichen Kotzkübeln herumfahren. Naja, die Zahl der alkoholbedingten Verkehrsunfälle wird wahrscheinlich wieder ansteigen, da jetzt nicht nur die Fahrer von Fiat Multipla vor dem Umdrehen des Zündschlüssels ihr Auto erst einmal schön saufen müssen.

Spätestens jetzt sollte dem aufmerksamen Leser auffallen, dass ich zwischenzeitlich recht häufig mit dem Auto unterwegs war, denn auch mein dritter Schlag geht in den öffentlichen Verkehrsraum. Motorroller – heute nennt man sie ja Scooter – sind ja wohl die übelsten Verkehrshindernisse, die man sich vorstellen kann. Die Dinger können ja noch so grellbunt daherkommen, schneller werden sie auch mit einer Königsklassen-Replika-Lackierung nicht. Schrille Farben und stinkende Zweitakter paaren sich leider nur allzu gern mit Murphy’s Law: Wenn es über eine längere Strecke ein Überholverbot mit durchgezogener Linie gibt, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, genau dort einen Motorroller vor sich zu haben. Besonders gern habe ich diese oberschlauen Plastikreiter, die sich mit ihrem Spielzeug an einer roten Ampel nach vorne schlängeln und für die nächsten drei Kilometer mit 45 km/h das Tempo auf der Landstraße bestimmen. Da lobe ich mir doch die echten Biker – die sind jedenfalls so motorisiert, dass sie nach dem Ampelstart auf und davon sind. Für Rollerfahrer fordere ich die Aufhebung der Helmpflicht, damit man ihnen notfalls auch mal eins mit dem Wagenheber überbraten kann.

A propos ‘überbraten’: Ich bin in meiner schreibfreien Zeit tief in mich gegangen und habe beschlossen, mich für eine Verschärfung des Waffenrechts einzusetzen. Bevor jetzt einige Leute laut aufstöhnen, gebe ich zu bedenken, dass es einfach besser wäre, es Menschen wie mir so schwer wie möglich zu machen, an Waffen zu kommen. Mein heimlicher Traum ist nämlich, mit einem Leopard II zum Shoppen in die Stuttgarter Innenstadt zu fahren. Als Ersatz für die Kreditkarte, die ich absichtlich zu Hause vergessen würde, könnte ich mir durchaus eine AK47 vorstellen (”Kalashnikov – Die Freiheit nehm’ ich mir!”). Wie ihr also sehen könnt, wäre eine Verschärfung des Waffenrechts durchaus angebracht. Um meinen festen Willen zu zeigen, habe ich sämtliche Buttermesser aus meinem Haushalt verbannt und werde meine Brote künftig nur noch mit der bloßen Hand schmieren. Lätta unter den Fingernägeln spart Gleitcreme und kann daher durchaus erotisch sein! — Wo liegt da der tiefere Sinn? — Keine Ahnung!

Wie geht’s hier denn nun weiter? Die Schreibblockade ist noch lange nicht überwunden, obwohl heute wieder ein paar neue Zeilen zu lesen sind. Meine Überlegungen gehen dahin, meine bisherigen Texte zu vertonen. Kollege S. aus K. drängelt deswegen schon eine ganze Weile. Hätte ich nur die Klappe gehalten! Augenblicklich arbeite ich noch an einem Konzept, damit es nicht beim reinen Vorlesen bleibt – das wäre schlicht und ergreifend zu langweilig. Einen Termin für das erste ‘Hörspiel’ kann ich noch nicht nennen, aber der gute Wille ist auf jeden Fall da; immerhin habe ich schon in ein Mikrophon investiert. Außerdem ist noch eine Galerie angedacht, in die ich sinnlose Fotos und kleine Kritzeleien einstellen möchte. So harret also der Dinge, die da kommen mögen. Und falls doch nichts kommen sollte, könnt ihr die leeren Versprechungen immerhin als Zeichen meiner Boshaftigkeit deuten.

Seltsam ist übrigens, dass die Zugriffsstatistiken für meine Site im Mai einen ziemlich heftigen Anstieg verzeichnen, obwohl sich hier eigentlich gar nichts getan hat. Gab es irgendetwas umsonst? Meinem ersten, wahren und fanatischsten Fan kann ich für diese Zugriffsorgie jedenfalls nicht in die Schuhe schieben, denn er ist in der Versenkung verschwunden. An dieser Stelle trotzdem einen herzlichen Gruß und Dank für die monatelange Treue. Die Stelle des Squalus-Alpha-Fans ist hiermit wieder vakant (selber schuld, D.). Nein A., du rückst leider nicht automatisch nach, mir schwebt da eher ein lediger weiblicher Fan, Anfang bis Mitte 30, vor. Sorry, aber ich muss ja bei der Fansuche auch an eine potentielle Altersvorsorge denken! Hab’ dich aber trotzdem lieb!

Bis denne…

Squalus



“Ihre Aggressionen wurden sommerzeitbedingt umgestellt”
Montag, 29. März 2004, 20:18 Uhr
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Normalerweise hupf’ ich zu Gugel oder ähnlichen Suchmaschinen, wenn ich etwas nicht weiß, aber heute verweigere ich mich absolut. Mich interessiert nämlich überhaupt nicht, warum diese bekloppten Umstellungen auf Sommer- bzw. Winterzeit stattfinden. Mag sein, dass die Sonne um 12:00 Uhr mittags einigermaßen im Zenit zu stehen hat, möglicherweise möchte man durch die längeren Helligkeitsphasen in den Abendstunden auch Energie einsparen (ich glaube, das war’s sogar), aber es ist mir im Grunde genommen SCHEISSEGAL!

Man hat uns also wieder einmal eine Stunde geklaut, was sich zwar bei der nächsten Umstellung auf die Winterzeit natürlich wieder relativieren wird, allerdings geht mir das herzlich am Arsch vorbei. Ich lebe im Hier und Jetzt und deshalb juckt mich die Aussicht auf ein verlängertes Wochenende im Herbst (oder wann auch immer) überhaupt nicht.

Warum ich so einen Hass schiebe? – An erster Stelle steht natürlich wieder einmal meine Hauptgeißel: Müdigkeit! Zwar habe ich Gleitzeit, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich aus reiner Gewohnheit trotzdem kurz vor 6:00 Uhr aus den Federn hüpfe, um mir einen möglichst frühen Feierabend zu sichern. Da ein Dreiundszwanzigstundensonntag für Körper und Geist nicht ausreicht, sich vollständig an die neue Zeit anzupassen, ist an einem Montag nach der Sommerzeitumstellung 6:00 Uhr nur auf der Uhr 6:00 Uhr. Letztendlich müssen sich also Körper und Geist um verinnerlichte 5:00 Uhr aus dem Bett quälen, während einem der Wecker eine völlig andere, jedoch amtliche Zeit, vorgibt. Alles klar? – Und da soll man motiviert und frisch in den Tag starten!? Fuck!

Übrigens: Die innere Uhr kann einem üble Streiche spielen. Wohl dem, der an einem solchen Tag seine Morgenlatte nicht erst im Büro bekommt.

Ein anderer Nervtöter ist die Umstellung sämtlicher Uhren, die man so im Haushalt hat. Computer stellen sich meistens automatisch um und spucken beim Systemstart die Meldung ‘Die Uhr wurde sommerzeitbedingt umgestellt’ aus. ISDN-Telefone und moderne Autoradios machen eigentlich auch weiter keine Probleme, da sie ihre Uhren über ein entsprechend ausgestrahltes Signal abgleichen. Mein Videorecorder jedoch, der das eigentlich auch können sollte, verweigert alle halbe Jahr die Zusammenarbeit. Ja, er ist entsprechend eingestellt! Nein, er stellt die Zeit trotzdem nicht automatisch um! – Drecksteil!

Dass es auch bei der aktuellen Zeiteinstellung mit dem VCR nicht hingehauen hat, musste ich gestern wieder einmal schmerzlich erfahren, als ich einen Film aufnehmen wollte und dieser bereits seit einer Stunde fröhlich vor sich hinlief. Als sich meine Wut einigermaßen verflüchtigt hatte, konnte ich mich schon auf den nächsten Hassausbruch einstellen, denn durch einen Mangel an SCART-Anschlüssen ist der Recorder nicht permanent am Fernseher angestöpselt, was bei jedem Umstellen der Uhr eine mehr oder minder große Umverkabelung nach sich zieht. Erstens hatte ich darauf überhaupt keinen Bock und zweitens brauchte ich dafür länger als mir lieb war, weil mein Kabelsalat hinter der ganzen Unterhaltungselektronik so verknubbelt ist, dass selbst ein professioneller Strippenzieher Weinkrämpfe bekäme. Als ich die Uhr dann endlich umgestellt hatte, war ich auf hundertachtzig und bekam richtig Spaß am Leben.

Wenn man für das Umstellen aller Uhren noch einmal eine Stunde einrechnet, verkürzt sich die Freizeit an diesem Sonntag also nochmals. Unterm Strich kommen wir also auf insgesamt zwei verlorene Stunden, einen verdrehten Schlafrhythmus, einen Wochenbeginn, den man vor lauter Müdigkeit getrost als ‘falschen Film’ bezeichnen kann, verbockte Timeraufnahmen und ein weiteres Argument gegen die hirnrissige Jahreszeit Frühling. Und da soll ich noch locker bleiben? Keine Chance! Ich will Blut sehen!

Man sollte die Verantwortlichen für diesen Schwachsinn an einem Sommerzeitumstellungssonntag um punkt sechs Uhr an Turmuhren binden – besser noch nageln. Den Hals an den Minuten- und die Beine an den Stundenzeiger. Anschließend stellt man die Uhr um eine Stunde vor und fragt die Delinquenten, ob ihnen das recht sei. Ich habe mir erst überlegt, ob man die Stunde nicht langsam verticken lassen sollte, aber es muss schließlich ein Ruck durch diese Hohlbrenner gehen – daher die schnelle Methode. Bei zur Umstellung auf Winterzeit kann man diese dämlichen Zeitdiktatoren – wahrscheinlich EU-Kommissare – übrigens ruhig wieder abhängen. Mal sehen, ob sich dadurch nicht etwas verändern lässt. Verbindet man das Auf- und Abhängen noch mit einem Volksfest, darf man durchaus mit einer breiten Zustimmung in der Bevölkerung rechnen. Neben Muttertag, Halloween und Chaostagen könnte sich sehr schnell ein weiterer künstlicher Feiertag (eigentlich sogar zwei!) etablieren. Dieses kleine Trostpflaster sollte man der zeitumstellungsgeplagten Menschheit durchaus zugestehen.

Ich hätte noch eine weniger akzeptable, aber immerhin sanftere Möglichkeit, die Sommerzeitumstellung ein wenig erträglicher zu machen. Was spräche denn dagegen, wenn der anschließende Montag grundsätzlich ein arbeitsfreier Tag wäre? Jetzt soll mir bloß niemand damit kommen, dass an diesem Tag die Ausfälle für die Volkswirtschaft in die Milliarden gehen würden. In einem Land, in dem das Geld trotz hoher Verschuldung dermaßen rausgeballert wird, würde ich auf dieses Argument glatt einen Haufen setzen.

Bis denne…

Squalus



Dem Frühling eine auf’s Maul!
Dienstag, 23. März 2004, 17:16 Uhr
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Eigentlich gibt es ja nur zwei richtige Jahreszeiten: Sommer und Winter. Diese Pseudojahreszeiten Frühling und Herbst kann man im Grunde genommen überhaupt nicht ernst nehmen. Vor allen Dingen in unseren Breiten glänzen sie lediglich durch ein chaotisches Wetter-Mischmasch, das höchstens Meteorologen in Verzückung geraten lässt. Mir gehen sie jedenfalls ganz gehörig auf die Eier.

Was soll denn das für eine Jahreszeit sein, in der man morgens in der Michelin-Männchen-Daunenjacke aus dem Haus schlappt und am Nachmittag die Klimaanlage im Auto einschalten muss, damit man nicht zerfließt? Die Zeit dazwischen verbringt man damit, die Jalousien vor den Bürofenstern der Wetterlage anzupassen. Während draußen der Regen vor lauter Wind fast waagerecht fällt, knallt einem dummerweise die Sonne zur selben Zeit durch das einzige Wolkenloch blendend auf den Monitor. Egal, wo unser Zentralgestirn auch stehen mag, der Winkel ist stets so, dass der Begriff Bildschirmarbeitsplatz eine völlig neue Bedeutung bekommt:

Das BILD ist nicht mehr zu sehen

Man wünscht sich einen SCHIRM. Am besten einen Sonnenschirm.

Die ARBEIT beschränkt sich auf das Herauf- und Herablassen der Jalousien.

Man könnte vor Wut PLATZen.

Fast könnte man meinen, dass man es mit einem Killersatelliten aus ‘Akira’ oder ‘Stirb an einem anderen Tag’ zu tun hätte. Lichtintensität und Zielgenauigkeit lassen jedenfalls darauf schließen. Nun gibt es, wahrscheinlich als Abfallprodukt aus irgendeinem militärischen Forschungsprojekt, entsprechende Schutzschilde, mit denen sich der Sonnenbeschuss eindämmen lässt: Rollos und Jalousien. Damit ließe sich theoretisch eine Verbesserung der Situation herbeiführen, allerdings greift unverzüglich nach dem Herablassen derselben Murphy’s Law. Wenn die Dinger erst einmal unten sind, kann man nämlich zu 99,9% davon ausgehen, dass sich das Loch in den Wolken schließen wird und die Lichtstärke im Büro nur noch zum Züchten von Champignons ausreicht. Würden dann auch noch Luftdruck und -feuchtigkeit extrem ansteigen, könnten Tiefseefische durchaus ideale Lebensbedingungen vorfinden.

Lässt man z.B. bei uns im Büro die Jalousien hinab, verschwindet umgehend auch die Sonne hinter den Wolken. Das hat wiederum zur Folge, dass mein Kollege S. hinter seinem Rechner zusammensackt, was mich vermuten lässt, dass er entweder ein solarangetriebener Cyborg ist oder eine haarige Pflanze, die schlagartig nach dem Lichtentzug in den Calvin-Benson-Zyklus (Dunkelreaktion) übergeht.

Das Wetter ist aber nur ein Faktor, der den Frühling so hassenswert macht. Es gibt noch anderen Mist: Frühjahrsputz, Frühjahrsmüdigkeit und Frühlingsgefühle.

Den Frühjahrsputz kann man zumindest in Schwaben als gruppenzwangverordnete Erhöhung des Reinigungspensums betrachten. Da der Schwabe als solcher eigentlich permanent mit Kehrwoche, Bürgersteigfegen und Daimlerwaschen beschäftigt ist, stellt die Zeit des Frühjahrsputzes eine besondere Belastung dar, die durchaus beabsichtigt ist. In einer Art natürlicher Auslese wird nämlich im Frühling, zumindest in Baden-Württemberg, die Spreu vom Weizen getrennt. Wer dem zusätzlichen Stress nicht gewachsen ist, hat neben Auswandern meist nur die Möglichkeit, sich via Mattenflucht (i.d.R. Herzinfarkt) aus der Verantwortung zu ziehen. Die hohe Sterberate im Frühjahr hat wiederum einen reinigenden Effekt auf die wirtschaftliche Lage im Ländle: Baden-Württemberg hat nach wie vor die niedrigste Arbeitslosenquote von allen Bundesländern!

Da ich heimatentwurzelter Bremer bin und außerdem persönlichkeitsbedingt eine grundsätzliche Antihaltung einnehme, kann man mich mit kollektivem Putzzwang höchstens zum müden Lächeln, aber nicht zum Staubsaugen bewegen. Es gibt einige praktische Gründe, nicht zu putzen. So kann es z.B. ganz nützlich sein, die Fenster langsam erblinden zu lassen. Neugierige Nachbarn haben dann nämlich keine Chance, sich ein Bild von meinen Tagesablauf zu machen. Hey, ich könnte nachts bei voller Beleuchtung nackt auf dem Wohnzimmertisch tanzen und der natürliche Blur-Effekt meines Balkonfensters würde den Spannern von gegenüber sehr schnell die Lust am Fernglas nehmen. Und jetzt kommt mir nicht mit dem Gegenargument, dass ich dann schließlich auch nicht hinausschauen könne. Wofür brauche ich die Aussicht auf eine Hausfassade? Wenn ich die Welt draußen sehen möchte, dann schalte ich die Glotze ein oder surfe durch das Web. So einfach ist das.

Die Frühjahrsmüdigkeit ist bei mir ein Dauerzustand, der sich über das gesamte Jahr zieht, deshalb kann ich eigentlich nicht mitreden – Kollege S. übrigens auch nicht. Sofern man sie ausleben kann, ist ja eigentlich auch alles in Butter. Schließlich ist es eine prima Sache, wenn man sich faul irgendwo hinpflanzen oder -legen kann und seinem Schlaftrieb nachgeben darf. Blöd ist es nur, wenn dieser Trieb in Konflikt mit vertraglich geregelten Arbeitszeiten, sozialen Verpflichtungen oder fixen Terminen aller Art gerät. Rainer Werner Fassbinder prägte einst den schönen Satz: “Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.” Lässt man sich diesen Satz einmal in aller Ruhe auf der Hirnrinde zergehen, beschleicht einen das Gefühl, dass die Frühjahrsmüdigkeit Hand in Hand mit dem erhöhten Stress beim Frühjahrsputz geht und eine unheimliche Verbindung zur erhöhten Sterberate in Baden-Württemberg besteht.

Lese oder höre ich das Wort ‘Frühlingsgefühle’, kommen mir einige Bilder vor das geistige Auge. Händchenhaltende Pärchen beim Spaziergang, knutschende Pärchen auf einer Parkbank, fummelnde Pärchen in öffentlichen Grünanlagen, moppelnde Hasen auf einer Blumenwiese. ‘Frühlingsgefühle’ – wie harmlos das doch klingt. Letztendlich umschreibt dieses Wort auf romantisierende Art schlicht und ergreifend hemmungslosen Sex. Tja, Leute, es geht einfach nur um Triebe und prall gefüllte Keimdrüsen. Sofern man sich in einer intakten Beziehung befindet oder mit Erfolg promiskuitiv lebt, ist das auch alles kein Problem. Schlimm ist es nur für die zahlreichen Singles, die sich in Ermangelung geeigneter Blumenwiesenpartner in Übersprung- oder Leerlaufhandlungen flüchten müssen. Oft wird der aufgestaute Trieb durch übertriebenen Frühjahrsputz kompensiert. Im schlimmsten Fall kann dieses Verhalten sogar zum Tode führen. Es sollen schon Männer verblutet sein, weil sie beim Putzen ein Oralsex-Surrogat im Staubsauger zu erkennen glaubten. Schlecht für diese armen Kerle – gut für die Arbeitslosenstatistik von Baden-Württemberg.

Es gibt also genügend Gründe, den Frühling den Hasen zu geben. Ok, das mit den Hasen ist in diesem Zusammenhang wohl kein guter Einfall. Treten wir den Frühling lieber in die Tonne und führen uns noch kurz Sandro Botticellis berühmtes Gemälde ‘Allegorie des Frühlings’ vor Augen: Wäre es nicht eine schöne Idee, dem kleinen Engelchen, welches über den völlig zugedröhnten Haschkindern herumflattert, eine mächtig große Axt zu schenken?

Bis denne…

Squalus



Erlesene Sub-Kulturen
Freitag, 20. Februar 2004, 18:12 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein, Merkwürdigkeiten, Squalus classic

Mein Kollege S., ungefähr 500 Jahre jünger, allerdings ein wenig erwachsener als ich, setzte sich neulich vor seinen Rechner und zog sich die Kapuze seines Pullovers über den ungekämmten Schädel. Die Frage, ob das cool aussähe, musste ich leider verneinen. Zwar habe ich ebenfalls die merkwürdige Angewohnheit, in Kapuzenpullis herumzulaufen, aber das Bild, das sich mir bot, schien fast schon grotesk. Die Vorderansicht hatte etwas von Gevatter Hein, der seine schwarze Kutte ‘Blink 182′ als Werbeträger zur Verfügung gestellt hat. Von der Seite erinnerte die unförmige Gestalt eher an einen Buckligen, was das folgende Gespräch auf Victor Hugos Quasimodo brachte. Mir drängte sich dabei die Frage auf, wie es wäre, wenn Literatur einen größeren Einfluss auf jugendliche Sub-Kulturen hätte.

Seit Goethes Werther hat doch eigentlich kein Romanheld mehr irgendetwas in der Jugend in größerem Ausmaß bewegt. Natürlich gibt es hie und da Menschen, die sich in ihrem Lebensstil und ihren Einstellungen an literarischen Vorbildern orientieren. So begegnet man z.B. öfter mal Leuten, meist Frauen, die sich Antoine de Saint Exuperys kleinen Prinzen zum Lebenslotsen gewählt haben. Gewalttätige junge Männer berufen sich oft auf Anthony Burgess’ Alex, den diese als offensichtliche Nichtleser wohl eher aus Stanley Kubricks Verfilmung von ‘Uhrwerk Orange’ kennen dürften, ohne den moralischen Aspekt der Geschichte auch nur ansatzweise verstanden zu haben. Letztendlich haben sich bisher aber keine größeren Jugendbewegungen aus literarischen Vorbildern entwickelt. Das finde ich ein wenig schade und möchte im Folgenden ein paar Vorschläge machen, um frischen Wind in die MTV-Generation zu bringen.

Fangen wir doch einfach mit dem bereits erwähnten Quasimodo an. Kapuzenpullis sind ja schon seit einiger Zeit auch außerhalb von Sportplätzen und -hallen salonfähig. Da die meisten Teenies sich vor der Glotze und auf unergonomischer Klassenzimmerbestuhlung sowieso schon Haltungsschäden anzüchten, wäre der erforderliche Buckel keine allzu große Hürde, um ein echter ‘Quasi’ zu werden. Das Fernsehen wäre sowieso ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel, um der tragischen Romangestalt ähnlicher zu werden. So könnte das regelmäßige Anschauen von Nachmittags-Talkshows auf diversen Privatsendern durchaus dazu führen, dass sich glöcknerähnliche Sprachmuster in den jungen Köpfen festsetzen. Das Brabbeln von unartikulierten Lauten und die Unfähigkeit, einen Gedanken in einem klar formulierten Satz zusammenzufassen, wären unabdingbare Grundvoraussetzungen, um sich in der Szene behaupten zu können. Das ‘Dr. Sommer Team’ würde eine riesige Flut von Briefen bekommen, in denen hässliche Pubertierende ihre unglückliche Liebe zu einem unerreichbaren Ideal geständen – also eigentlich nichts Neues. Die Hymne der Bewegung wäre definitiv ‘Hell’s Bells’ von AC/DC – selbstverständlich so laut wie möglich, schließlich hat ein wahrer ‘Quasi’ stocktaub zu sein.

Nimmt man den Titelhelden aus Hemingways ‘Der alte Mann und das Meer’ zum Vorbild, könnte sich die Jugendbewegung der ‘Fisherman’s Friends’ (kurz: Fishers) entwickeln. Es wäre die richtige Gruppierung für nachdenkliche Einzelgänger, die trotz harter und fleißiger Arbeit auf keinen grünen Zweig kommen. Die Mode wäre maritim und eher armselig. Ein Paar Gummistiefel und einen filzig-muffigen Wollpullover sollte jeder ‘Fisher’ sein Eigen nennen, um in der Szene als hip zu gelten. Freddy-Quinn-Konzerte, Segelclubs und Angelvereine würden neuen Zulauf bekommen. Eine Untergruppierung der ‘Fishers’ wären die ‘Ahabs’, die sich eher an Herman Melvilles ‘Moby Dick’ orientieren würden. In Kleidung und Musikgeschmack würden sie sich die beiden Gruppierungen nicht groß voneinander unterscheiden, allerdings würden die ‘Ahabs’ durch ihr aggressiveres Auftreten recht unangenehm auffallen. Besonders Greenpeace würde unter ihren Störaktionen sehr zu leiden haben. Es bleibt die Frage: Kann man zu Shantys eigentlich Pogo tanzen? – Aye!

Die ‘Blechtrommel’ von Günter Grass könnte uns einen weiteren interessanten Stein im Mosaik der neuen Jugendkulturen liefern. Die ‘Oskars’ wären eine Ansammlung kleinwüchsiger Teenager, die sofort das Quengeln und Schreien anfangen würden, sobald sie ihren Willen nicht bekämen. Klar, dass dabei eine Menge Glas zerbräche. Sie würden aus reiner Provokation mit aggressiv schneidender Stimme sprechen und Konzerte von Phil Collins, Curt Cress und George Kranz aufmischen. Modisch wäre bei den ‘Oskars’ eigentlich alles erlaubt, sofern man es in Kindergrößen bekäme. Es sollte aber in jedem Kleiderschrank eines aufrichtigen ‘Oskars’, als Verbeugung vor dem großen Vorbild, mindestens ein Matrosenanzug hängen. Im Sommer träfe sich die Szene gern zum meditativen Trommeln in Danzig. Der Slang der ‘Oskars’ hätte etliche Anleihen aus dem Kaschubischen.

Der Protagonist aus William S. Burroughs ‘Naked Lunch’ wäre ein wunderbares Vorbild für Jugendliche, die so ziemlich alles einpfeifen, was der Mensch so einpfeifen kann. Ob es sich dabei um Red Bull oder Crack handelt, ist eigentlich völlig schnuppe – Hauptsache, es hat irgendeinen Effekt auf Körper und Geist und führt zu kreativen Ausbrüchen. Die wahllose Mischung macht’s! Der Name der Bewegung wäre ziemlich egal, da man ihn nach einer gewissen Zeit der Zugehörigkeit sowieso vergessen würde. Auf bestimmte einheitliche Kleidung würde man keinen Wert legen, auf das regelmäßige Wechseln derselben ebenfalls nicht – es gibt schließlich Wichtigeres. In Interzone oder nordafrikanischen Kasbahs würden regelmäßig Raves mit psychedelischer Musik und Horrorvisionen stattfinden. Die Polizei! Jaja, immer die Polizei. Agenten aus Interzone geben sich an der Zimmerdecke die Klinke in die Hand. Die Gedanken sitzen mit einer blauen Pille, einer blauen Pille, einer blauen Pille – Die Menschen essen nicht mehr. Wofür auch? Alles weit weg – FUCK! Sie sind hinter mir her, doch – FLASH! Morphin, Morphin hat keine Kalorien…. Naja, vielleicht sollte man sich doch lieber einer anderen Jugendbewegung anschließen.

Der Simplicissimus des Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen könnte ein wenig Farbe in den langweiligen East-Coast-West-Coast-Einheitsbrei bringen. Die Anhänger würden sich ‘Simpsons’ nennen, sich als Kälber oder Jäger kleiden und wären ständig auf Achse. Sie wären bunt schillernd in ihrem Äußeren, einfältig und bauernschlau in ihrem Inneren. Durch ihren manierierten Slang und ihre barocke Kleidung würden sie sich extrem von Ihrer Umwelt abheben – die ‘Simpsons’ wären die Edel-Punks des neuen Jahrtausends. VIVAs Einschaltquoten würden einbrechen, während man bei arte endlich den verdienten Zuspruch erhielte. Höfische Tänze und die Musik von Johann Sebastian Bach würden die Tanzflächen der Diskotheken zum Kochen bringen. Die angesehensten DJs der Szene kämen höchstwahrscheinlich aus Schweden.

Jugendliche Kleinkriminelle könnten in Henri Charrieres Papillon ihr großes Idol finden. Statt an den Wochenenden sinnlos auf irgendwelchen Dorf-Tankstellen abzuhängen, würden sich die ‘Stöpsel’ – so die wahrscheinliche Eigenbezeichnung – auf diversen Partyinseln (Balearen, Teufelsinsel, Royal, St. Joseph) herumtreiben und dort ebenfalls recht schnell Langeweile bekommen. An der Kleidung könnte man einen ‘Stöpsel’ nicht unbedingt erkennen, da das klassische Sträflings-Outfit oft durch verschiedene Verkleidungen (JVA-Beamter, Indianer, Lepra-Kranker usw.) ersetzt würde. Eindeutige Erkennungszeichen wären aber der tätowierte Schmetterling auf der Brust und der extrem aufrechte Gang, den eine gut versteckte Geldbörse nun mal mit sich bringt. Die musikalische Orientierung der ‘Stöpsel’ an liebenswerten französischen Chansons darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hierbei um einen ziemlich rauen Haufen handelte, der sehr schnell mit dem Messer (i.d.R. Butterfly) wäre. Das Wort ‘unschuldig’ hätte in der Bewegung den Stellenwert eines Mantras.

Die ‘M&Ms’ hätten Wilhelm Buschs Max und Moritz zum Vorbild und würden [D., überlies das bitte mal] den ganzen Tag nur Scheiße bauen. Sollte sich diese Gruppierung in größerem Umfang ausweiten, wären die Schulen bald leer, die Jugendgefängnisse und Krankenhäuser überfüllt und gewisse moralinsaure Bildergeschichten sehr schnell auf dem Index. Für einen ‘M&M’ wäre jeder Tag ein Chaostag. Eine eigenständiger Musikstil könnte sich gar nicht entwickeln, da sowieso jeder machen würde, was er wollte. Konzerte kämen durch das vorzeitige und übermäßige Zünden der pyrotechnischen Effekte nicht zustande, da ein Auftritt auf einer brennenden Bühne vor einem amoklaufenden Publikum für die meisten Musiker recht reizlos wäre. Besondere Modeattribute wären die berühmte Moritz-Tolle und ein chirurgisch fixiertes Dauergrinsen.

So, Buben und Mädels! Ihr habt also gesehen, dass man nicht nur irgendwelchen Musikern oder Kinohelden nacheifern muss, um seinem Leben einen gründlichen Richtungswechsel zu verpassen. Gehet hin, leset und gründet eure eigene Jugendbewegung. Sobald ihr aber merkt, dass die bösen Erwachsenen euer Ding kommerziell ausbeuten, fangt etwas Neues an! Wenn es Klingeltöne mit euren Hymnen und Handylogos mit euren Symbolen und Leitsprüchen gibt, wenn euch eure Vorbilder von Plakatwänden und aus Werbesendungen heraus angrinsen, damit ihr ein Teil der großen Konsumgesellschaft werdet, dann verweigert euch. Kehrt diesen Arschlöchern den Rücken zu und zieht euer eigenes Ding durch. Wenn alle Stricke reißen, könnt ihr immer noch den ‘Squalusianern’ beitreten, die jedenfalls ehrlich zu ihrer Verlogenheit stehen.

Bis denne…

Squalus



Die Squalusianer
Sonntag, 15. Februar 2004, 20:09 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein, Merkwürdigkeiten, Squalus classic

Der Druck ist fast unerträglich. Mein erster, einziger und treuester (?) Fan drängt mich zu neuen Texten. So dachte ich heute ernsthaft über die Gründung einer Sekte nach, um hier ein paar frische Gedanken abzuliefern. Das Ergebnis war, dass ich mich in einem Strudel von Promiskuität, Geldgier und kollektivem Selbstmord wiederfand. Eigentlich keine so schlechte Sache, wenn man mal vom letzten Punkt absieht. Obwohl…., wenn ich es mir recht überlege: Letztendlich muss ja einer übrig bleiben, um die korrekte Ausübung des Suizids zu überwachen.

Da ich, mal von der Promiskuität abgesehen, meine Ruhe haben möchte, sollten meine Sektenmitglieder irgendwo am anderen Ende der Welt oder noch weiter weg ihren Schabernack treiben. Am besten wäre es, wenn mir ein neues Mitglied einfach seine komplette Habe überschreibt, sich dann auf irgendeine Insel verzieht und schweigend meine Anweisungen abwartet. “Rufen Sie mich nicht an, ich rufe Sie zurück!” – Denkste! So vermeide ich jeden direkten Kontakt mit irgendwelchen Hirnis, die ihren Halt im Leben ausgerechnet bei mir suchen und dafür auch noch ihre Sparschweine schlachten.

Ich würde mich in lebensbejahendes Schwarz kleiden, ‘Großer Schlonz’ nennen und von Zeit zu Zeit einige rätselhafte Spüche von mir geben, damit die Hirne meiner Jünger etwas zum Knabbern hätten. Meine Pseudoweisheiten könnte ich in einer Art Bibel zusammenfassen, welche in den Esoterik-Abteilungen der Buchhandlungen für überirdische Umsätze sorgen würde. Über den Titel habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber meine Kontoverbindung müsste unbedingt mit aufs Cover. Der ‘Stern’ würde in einer Titelstory fragen, ob ich der gefährlichste Mann der Welt sei, während der Bildteil der Geschichte nur ausführlich belegt, dass meine Sekte lediglich die besten Orgien der Welt feiert – selbstverständlich wäre die sekteninterne Bezeichnung nicht Orgie, sondern ‘Tsuj Ytrap – Der Weg der Freude’ oder so. Theologen, Elternverbände und BILD würden gegen mich wettern, aber das hätte sowieso nur zur Folge, dass sich noch mehr verlorene Seelen für meine Lehre begeistern würden.

Der kollektive Selbstmord wäre eine recht humane Sache. Noch nie hätte sich ein Sektenführer so sanft von seiner Anhängerschar getrennt, wie ich es täte. Ich würde meinem Lieblingsjünger einfach folgende Nachricht zukommen lassen:

>>> Hallo! Gehe hin und stirb an Altersschwäche! Nimm die anderen Deppen bitte mit und sag ihnen, dass sie ebenfalls an Altersschwäche sterben sollen. Das war’s eigentlich auch schon. Vielen Dank und tüdelü! – Der große Schlonz <<<

Solltet ihr also mit dem Gedanken spielen, in eine Sekte einzutreten, dann überlegt doch bitte mal, ob die Squalusianer nicht die richtige Wahl für euch wären. Ich kann zwar (noch) nicht mit Zorba-the-Buddha-Diskotheken aufwarten, aber dafür verspreche ich euch, dass ihr keine Holzperlenketten tragen müsst. Wer sich zu keiner Mitgliedschaft in meiner Glaubensgemeinschaft durchringen kann, sich aber am kollektiven Selbstmord beteiligen möchte, sollte vorher unbedingt meine Kontoverbindung erfragen.

Bis denne…

Squalus



Vom Suhlen im Blute
Sonntag, 1. Februar 2004, 22:07 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein, Film und Fernsehen, Merkwürdigkeiten, Squalus classic

Alfred Hitchcock hat Leute wie mich als ‘Wahrscheinlichkeitskrämer’ bezeichnet. Das sind Menschen, die einen Film nicht zu 100% genießen können, da sie dessen Logik und Plausibilität ständig hinterfragen. Wagt es ein Regisseur also, eine bestimmte Situation für das Weiterkommen der Handlung hanebüchen zu konstruieren, kann es durchaus vorkommen, dass dem Wahrscheinlichkeitskrämer die Kinnlade gen Erdmittelpunkt fällt.

Mit Spezialeffekten und Stunts verhält es sich ähnlich. Man kann sie durchaus als Bestandteil der Handlung hinnehmen und genießen oder diese kaltblütig analysieren. So sah ich kürzlich ein indiziertes Splatterfilmchen, in dem einige Kehlen durchtrennt wurden, aber anstatt mich zu ekeln oder schockiert zu sein, amüsierte ich mich königlich über die technische Ausführung der Effekte. Dieses distanzierte Sehen von Filmen hat aber auch Vorteile. Ich kann bei irgendeinem Zombie-Streifen eine vollwertige Mahlzeit zu mir nehmen, während sich bei anderen Menschen bereits der nüchterne Magen nach außen stülpt. Und dabei bin ich nicht einmal verroht, sondern ich sehe solche Filme einfach nur aus einer anderen Perspektive.

Nun ist es so, dass viele Dinge, die dem Wahrscheinlichkeitskrämer in einem Film auffallen, dem normalen Zuschauer entgehen, da dieser vollkommen in der Handlung gefangen ist. Da ich ja eine ganz miese Type bin, werde ich euch heute mit einem ganz bestimmten Standard der Unlogik bekannt machen, damit ihr beim nächsten Anschauen eines entsprechenden Films an mich denken werdet. Die folgende Situation ist fiktiv, aber sie wird euch sicherlich bekannt vorkommen:

[...] Ein Mann mit einer Waffe in der Hand verfolgt eine andere Person durch einen Wald. Es hat zuvor einen Schusswechsel gegeben und der Flüchtende wurde dabei verletzt. Er hat einen Vorsprung, aber seine Verletzung bremst ihn aus. Er verliert Blut. Der Verfolger sieht einen Blutspritzer an einem Baum, geht darauf zu, taucht Zeige- und Mittelfinger in den Lebenssaft und reibt in kreisförmigen Bewegungen mit dem Daumen darüber, während er nachdenklich in die Ferne schaut.[...]

Klingt das irgendwie bekannt? Das ist ja wohl der Höhepunkt des Schwachsinns. Ok, Krabbelkinder fassen beim Entdecken der großen Welt auch alles an. Aber wie kommt ein erwachsener Mensch, der zudem auch noch eine Schusswaffe führen darf, auf die dämliche Idee, in der Körperflüssigkeit einer anderen Person herumzupatschen? Ist er vielleicht mit einer Rot-Grün-Blindheit gestraft und muss das Gesehene erst einmal einer haptischen Analyse unterziehen, bevor er die Verfolgung fortsetzen kann? Ist er vielleicht Blutfetischist (solche Leute gibt’s wirklich) und genießt einfach nur einen kurzen Augenblick der sexuellen Wunscherfüllung? Oder ist er einfach nur dämlich und muss zwanghaft das typische Hollywood-Ritual des ‘Innehaltens an der Blutspur’ zelebrieren? Ich tendiere wirklich zur letzten Möglichkeit.

Ich habe keine Ahnung, wer mit diesem Unfug angefangen hat, aber wenn man ihn einmal kritisch hinterfragt, dann bricht in einigen hundert (wenn nicht sogar tausend) Filmen ein kleines Stückchen Logik weg. Besonders ekelig wird es übrigens, wenn es sich um das Blut einer außerirdischen Lebensform oder eines sonstigen Monsters handelt. Dass die ‘Blutgrabscher’ die Finger nicht auch noch zum Mund führen, grenzt schon fast an ein Wunder. Gerade im Zeitalter von AIDS sollte man eigentlich einen etwas vorsichtigeren Umgang mit dem Blut anderer Leute propagieren. Wenn der Verfolger schon seine Finger nicht bei sich lassen kann, sollte er sich wenigstens mit Einweghandschuhen ausrüsten, um auf Nummer sicher zu gehen. Diese sind inzwischen in jedem Kfz-Verbandskasten vorgeschrieben. Wer also ungeschützt in Blutpfützen herumreibt, sollte künftig seinen Versicherungsschutz verlieren und Punkte in Flensburg bekommen.

Ich hoffe, dass ihr, wenn ihr demnächst eine ähnliche Szene in einem Film sehen werdet, ein wenig an mich denkt und euch der Rest des Films ordentlich vermiest wird, weil ihr ins Grübeln gekommen seid. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen.

Bis denne…

Squalus