Erlesene Sub-Kulturen
Freitag, 20. Februar 2004, 18:12 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein, Merkwürdigkeiten, Squalus classic

Mein Kollege S., ungefähr 500 Jahre jünger, allerdings ein wenig erwachsener als ich, setzte sich neulich vor seinen Rechner und zog sich die Kapuze seines Pullovers über den ungekämmten Schädel. Die Frage, ob das cool aussähe, musste ich leider verneinen. Zwar habe ich ebenfalls die merkwürdige Angewohnheit, in Kapuzenpullis herumzulaufen, aber das Bild, das sich mir bot, schien fast schon grotesk. Die Vorderansicht hatte etwas von Gevatter Hein, der seine schwarze Kutte ‘Blink 182′ als Werbeträger zur Verfügung gestellt hat. Von der Seite erinnerte die unförmige Gestalt eher an einen Buckligen, was das folgende Gespräch auf Victor Hugos Quasimodo brachte. Mir drängte sich dabei die Frage auf, wie es wäre, wenn Literatur einen größeren Einfluss auf jugendliche Sub-Kulturen hätte.

Seit Goethes Werther hat doch eigentlich kein Romanheld mehr irgendetwas in der Jugend in größerem Ausmaß bewegt. Natürlich gibt es hie und da Menschen, die sich in ihrem Lebensstil und ihren Einstellungen an literarischen Vorbildern orientieren. So begegnet man z.B. öfter mal Leuten, meist Frauen, die sich Antoine de Saint Exuperys kleinen Prinzen zum Lebenslotsen gewählt haben. Gewalttätige junge Männer berufen sich oft auf Anthony Burgess’ Alex, den diese als offensichtliche Nichtleser wohl eher aus Stanley Kubricks Verfilmung von ‘Uhrwerk Orange’ kennen dürften, ohne den moralischen Aspekt der Geschichte auch nur ansatzweise verstanden zu haben. Letztendlich haben sich bisher aber keine größeren Jugendbewegungen aus literarischen Vorbildern entwickelt. Das finde ich ein wenig schade und möchte im Folgenden ein paar Vorschläge machen, um frischen Wind in die MTV-Generation zu bringen.

Fangen wir doch einfach mit dem bereits erwähnten Quasimodo an. Kapuzenpullis sind ja schon seit einiger Zeit auch außerhalb von Sportplätzen und -hallen salonfähig. Da die meisten Teenies sich vor der Glotze und auf unergonomischer Klassenzimmerbestuhlung sowieso schon Haltungsschäden anzüchten, wäre der erforderliche Buckel keine allzu große Hürde, um ein echter ‘Quasi’ zu werden. Das Fernsehen wäre sowieso ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel, um der tragischen Romangestalt ähnlicher zu werden. So könnte das regelmäßige Anschauen von Nachmittags-Talkshows auf diversen Privatsendern durchaus dazu führen, dass sich glöcknerähnliche Sprachmuster in den jungen Köpfen festsetzen. Das Brabbeln von unartikulierten Lauten und die Unfähigkeit, einen Gedanken in einem klar formulierten Satz zusammenzufassen, wären unabdingbare Grundvoraussetzungen, um sich in der Szene behaupten zu können. Das ‘Dr. Sommer Team’ würde eine riesige Flut von Briefen bekommen, in denen hässliche Pubertierende ihre unglückliche Liebe zu einem unerreichbaren Ideal geständen – also eigentlich nichts Neues. Die Hymne der Bewegung wäre definitiv ‘Hell’s Bells’ von AC/DC – selbstverständlich so laut wie möglich, schließlich hat ein wahrer ‘Quasi’ stocktaub zu sein.

Nimmt man den Titelhelden aus Hemingways ‘Der alte Mann und das Meer’ zum Vorbild, könnte sich die Jugendbewegung der ‘Fisherman’s Friends’ (kurz: Fishers) entwickeln. Es wäre die richtige Gruppierung für nachdenkliche Einzelgänger, die trotz harter und fleißiger Arbeit auf keinen grünen Zweig kommen. Die Mode wäre maritim und eher armselig. Ein Paar Gummistiefel und einen filzig-muffigen Wollpullover sollte jeder ‘Fisher’ sein Eigen nennen, um in der Szene als hip zu gelten. Freddy-Quinn-Konzerte, Segelclubs und Angelvereine würden neuen Zulauf bekommen. Eine Untergruppierung der ‘Fishers’ wären die ‘Ahabs’, die sich eher an Herman Melvilles ‘Moby Dick’ orientieren würden. In Kleidung und Musikgeschmack würden sie sich die beiden Gruppierungen nicht groß voneinander unterscheiden, allerdings würden die ‘Ahabs’ durch ihr aggressiveres Auftreten recht unangenehm auffallen. Besonders Greenpeace würde unter ihren Störaktionen sehr zu leiden haben. Es bleibt die Frage: Kann man zu Shantys eigentlich Pogo tanzen? – Aye!

Die ‘Blechtrommel’ von Günter Grass könnte uns einen weiteren interessanten Stein im Mosaik der neuen Jugendkulturen liefern. Die ‘Oskars’ wären eine Ansammlung kleinwüchsiger Teenager, die sofort das Quengeln und Schreien anfangen würden, sobald sie ihren Willen nicht bekämen. Klar, dass dabei eine Menge Glas zerbräche. Sie würden aus reiner Provokation mit aggressiv schneidender Stimme sprechen und Konzerte von Phil Collins, Curt Cress und George Kranz aufmischen. Modisch wäre bei den ‘Oskars’ eigentlich alles erlaubt, sofern man es in Kindergrößen bekäme. Es sollte aber in jedem Kleiderschrank eines aufrichtigen ‘Oskars’, als Verbeugung vor dem großen Vorbild, mindestens ein Matrosenanzug hängen. Im Sommer träfe sich die Szene gern zum meditativen Trommeln in Danzig. Der Slang der ‘Oskars’ hätte etliche Anleihen aus dem Kaschubischen.

Der Protagonist aus William S. Burroughs ‘Naked Lunch’ wäre ein wunderbares Vorbild für Jugendliche, die so ziemlich alles einpfeifen, was der Mensch so einpfeifen kann. Ob es sich dabei um Red Bull oder Crack handelt, ist eigentlich völlig schnuppe – Hauptsache, es hat irgendeinen Effekt auf Körper und Geist und führt zu kreativen Ausbrüchen. Die wahllose Mischung macht’s! Der Name der Bewegung wäre ziemlich egal, da man ihn nach einer gewissen Zeit der Zugehörigkeit sowieso vergessen würde. Auf bestimmte einheitliche Kleidung würde man keinen Wert legen, auf das regelmäßige Wechseln derselben ebenfalls nicht – es gibt schließlich Wichtigeres. In Interzone oder nordafrikanischen Kasbahs würden regelmäßig Raves mit psychedelischer Musik und Horrorvisionen stattfinden. Die Polizei! Jaja, immer die Polizei. Agenten aus Interzone geben sich an der Zimmerdecke die Klinke in die Hand. Die Gedanken sitzen mit einer blauen Pille, einer blauen Pille, einer blauen Pille – Die Menschen essen nicht mehr. Wofür auch? Alles weit weg – FUCK! Sie sind hinter mir her, doch – FLASH! Morphin, Morphin hat keine Kalorien…. Naja, vielleicht sollte man sich doch lieber einer anderen Jugendbewegung anschließen.

Der Simplicissimus des Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen könnte ein wenig Farbe in den langweiligen East-Coast-West-Coast-Einheitsbrei bringen. Die Anhänger würden sich ‘Simpsons’ nennen, sich als Kälber oder Jäger kleiden und wären ständig auf Achse. Sie wären bunt schillernd in ihrem Äußeren, einfältig und bauernschlau in ihrem Inneren. Durch ihren manierierten Slang und ihre barocke Kleidung würden sie sich extrem von Ihrer Umwelt abheben – die ‘Simpsons’ wären die Edel-Punks des neuen Jahrtausends. VIVAs Einschaltquoten würden einbrechen, während man bei arte endlich den verdienten Zuspruch erhielte. Höfische Tänze und die Musik von Johann Sebastian Bach würden die Tanzflächen der Diskotheken zum Kochen bringen. Die angesehensten DJs der Szene kämen höchstwahrscheinlich aus Schweden.

Jugendliche Kleinkriminelle könnten in Henri Charrieres Papillon ihr großes Idol finden. Statt an den Wochenenden sinnlos auf irgendwelchen Dorf-Tankstellen abzuhängen, würden sich die ‘Stöpsel’ – so die wahrscheinliche Eigenbezeichnung – auf diversen Partyinseln (Balearen, Teufelsinsel, Royal, St. Joseph) herumtreiben und dort ebenfalls recht schnell Langeweile bekommen. An der Kleidung könnte man einen ‘Stöpsel’ nicht unbedingt erkennen, da das klassische Sträflings-Outfit oft durch verschiedene Verkleidungen (JVA-Beamter, Indianer, Lepra-Kranker usw.) ersetzt würde. Eindeutige Erkennungszeichen wären aber der tätowierte Schmetterling auf der Brust und der extrem aufrechte Gang, den eine gut versteckte Geldbörse nun mal mit sich bringt. Die musikalische Orientierung der ‘Stöpsel’ an liebenswerten französischen Chansons darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hierbei um einen ziemlich rauen Haufen handelte, der sehr schnell mit dem Messer (i.d.R. Butterfly) wäre. Das Wort ‘unschuldig’ hätte in der Bewegung den Stellenwert eines Mantras.

Die ‘M&Ms’ hätten Wilhelm Buschs Max und Moritz zum Vorbild und würden [D., überlies das bitte mal] den ganzen Tag nur Scheiße bauen. Sollte sich diese Gruppierung in größerem Umfang ausweiten, wären die Schulen bald leer, die Jugendgefängnisse und Krankenhäuser überfüllt und gewisse moralinsaure Bildergeschichten sehr schnell auf dem Index. Für einen ‘M&M’ wäre jeder Tag ein Chaostag. Eine eigenständiger Musikstil könnte sich gar nicht entwickeln, da sowieso jeder machen würde, was er wollte. Konzerte kämen durch das vorzeitige und übermäßige Zünden der pyrotechnischen Effekte nicht zustande, da ein Auftritt auf einer brennenden Bühne vor einem amoklaufenden Publikum für die meisten Musiker recht reizlos wäre. Besondere Modeattribute wären die berühmte Moritz-Tolle und ein chirurgisch fixiertes Dauergrinsen.

So, Buben und Mädels! Ihr habt also gesehen, dass man nicht nur irgendwelchen Musikern oder Kinohelden nacheifern muss, um seinem Leben einen gründlichen Richtungswechsel zu verpassen. Gehet hin, leset und gründet eure eigene Jugendbewegung. Sobald ihr aber merkt, dass die bösen Erwachsenen euer Ding kommerziell ausbeuten, fangt etwas Neues an! Wenn es Klingeltöne mit euren Hymnen und Handylogos mit euren Symbolen und Leitsprüchen gibt, wenn euch eure Vorbilder von Plakatwänden und aus Werbesendungen heraus angrinsen, damit ihr ein Teil der großen Konsumgesellschaft werdet, dann verweigert euch. Kehrt diesen Arschlöchern den Rücken zu und zieht euer eigenes Ding durch. Wenn alle Stricke reißen, könnt ihr immer noch den ‘Squalusianern’ beitreten, die jedenfalls ehrlich zu ihrer Verlogenheit stehen.

Bis denne…

Squalus



Die Squalusianer
Sonntag, 15. Februar 2004, 20:09 Uhr
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Der Druck ist fast unerträglich. Mein erster, einziger und treuester (?) Fan drängt mich zu neuen Texten. So dachte ich heute ernsthaft über die Gründung einer Sekte nach, um hier ein paar frische Gedanken abzuliefern. Das Ergebnis war, dass ich mich in einem Strudel von Promiskuität, Geldgier und kollektivem Selbstmord wiederfand. Eigentlich keine so schlechte Sache, wenn man mal vom letzten Punkt absieht. Obwohl…., wenn ich es mir recht überlege: Letztendlich muss ja einer übrig bleiben, um die korrekte Ausübung des Suizids zu überwachen.

Da ich, mal von der Promiskuität abgesehen, meine Ruhe haben möchte, sollten meine Sektenmitglieder irgendwo am anderen Ende der Welt oder noch weiter weg ihren Schabernack treiben. Am besten wäre es, wenn mir ein neues Mitglied einfach seine komplette Habe überschreibt, sich dann auf irgendeine Insel verzieht und schweigend meine Anweisungen abwartet. “Rufen Sie mich nicht an, ich rufe Sie zurück!” – Denkste! So vermeide ich jeden direkten Kontakt mit irgendwelchen Hirnis, die ihren Halt im Leben ausgerechnet bei mir suchen und dafür auch noch ihre Sparschweine schlachten.

Ich würde mich in lebensbejahendes Schwarz kleiden, ‘Großer Schlonz’ nennen und von Zeit zu Zeit einige rätselhafte Spüche von mir geben, damit die Hirne meiner Jünger etwas zum Knabbern hätten. Meine Pseudoweisheiten könnte ich in einer Art Bibel zusammenfassen, welche in den Esoterik-Abteilungen der Buchhandlungen für überirdische Umsätze sorgen würde. Über den Titel habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber meine Kontoverbindung müsste unbedingt mit aufs Cover. Der ‘Stern’ würde in einer Titelstory fragen, ob ich der gefährlichste Mann der Welt sei, während der Bildteil der Geschichte nur ausführlich belegt, dass meine Sekte lediglich die besten Orgien der Welt feiert – selbstverständlich wäre die sekteninterne Bezeichnung nicht Orgie, sondern ‘Tsuj Ytrap – Der Weg der Freude’ oder so. Theologen, Elternverbände und BILD würden gegen mich wettern, aber das hätte sowieso nur zur Folge, dass sich noch mehr verlorene Seelen für meine Lehre begeistern würden.

Der kollektive Selbstmord wäre eine recht humane Sache. Noch nie hätte sich ein Sektenführer so sanft von seiner Anhängerschar getrennt, wie ich es täte. Ich würde meinem Lieblingsjünger einfach folgende Nachricht zukommen lassen:

>>> Hallo! Gehe hin und stirb an Altersschwäche! Nimm die anderen Deppen bitte mit und sag ihnen, dass sie ebenfalls an Altersschwäche sterben sollen. Das war’s eigentlich auch schon. Vielen Dank und tüdelü! – Der große Schlonz <<<

Solltet ihr also mit dem Gedanken spielen, in eine Sekte einzutreten, dann überlegt doch bitte mal, ob die Squalusianer nicht die richtige Wahl für euch wären. Ich kann zwar (noch) nicht mit Zorba-the-Buddha-Diskotheken aufwarten, aber dafür verspreche ich euch, dass ihr keine Holzperlenketten tragen müsst. Wer sich zu keiner Mitgliedschaft in meiner Glaubensgemeinschaft durchringen kann, sich aber am kollektiven Selbstmord beteiligen möchte, sollte vorher unbedingt meine Kontoverbindung erfragen.

Bis denne…

Squalus



Vom Suhlen im Blute
Sonntag, 1. Februar 2004, 22:07 Uhr
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Alfred Hitchcock hat Leute wie mich als ‘Wahrscheinlichkeitskrämer’ bezeichnet. Das sind Menschen, die einen Film nicht zu 100% genießen können, da sie dessen Logik und Plausibilität ständig hinterfragen. Wagt es ein Regisseur also, eine bestimmte Situation für das Weiterkommen der Handlung hanebüchen zu konstruieren, kann es durchaus vorkommen, dass dem Wahrscheinlichkeitskrämer die Kinnlade gen Erdmittelpunkt fällt.

Mit Spezialeffekten und Stunts verhält es sich ähnlich. Man kann sie durchaus als Bestandteil der Handlung hinnehmen und genießen oder diese kaltblütig analysieren. So sah ich kürzlich ein indiziertes Splatterfilmchen, in dem einige Kehlen durchtrennt wurden, aber anstatt mich zu ekeln oder schockiert zu sein, amüsierte ich mich königlich über die technische Ausführung der Effekte. Dieses distanzierte Sehen von Filmen hat aber auch Vorteile. Ich kann bei irgendeinem Zombie-Streifen eine vollwertige Mahlzeit zu mir nehmen, während sich bei anderen Menschen bereits der nüchterne Magen nach außen stülpt. Und dabei bin ich nicht einmal verroht, sondern ich sehe solche Filme einfach nur aus einer anderen Perspektive.

Nun ist es so, dass viele Dinge, die dem Wahrscheinlichkeitskrämer in einem Film auffallen, dem normalen Zuschauer entgehen, da dieser vollkommen in der Handlung gefangen ist. Da ich ja eine ganz miese Type bin, werde ich euch heute mit einem ganz bestimmten Standard der Unlogik bekannt machen, damit ihr beim nächsten Anschauen eines entsprechenden Films an mich denken werdet. Die folgende Situation ist fiktiv, aber sie wird euch sicherlich bekannt vorkommen:

[...] Ein Mann mit einer Waffe in der Hand verfolgt eine andere Person durch einen Wald. Es hat zuvor einen Schusswechsel gegeben und der Flüchtende wurde dabei verletzt. Er hat einen Vorsprung, aber seine Verletzung bremst ihn aus. Er verliert Blut. Der Verfolger sieht einen Blutspritzer an einem Baum, geht darauf zu, taucht Zeige- und Mittelfinger in den Lebenssaft und reibt in kreisförmigen Bewegungen mit dem Daumen darüber, während er nachdenklich in die Ferne schaut.[...]

Klingt das irgendwie bekannt? Das ist ja wohl der Höhepunkt des Schwachsinns. Ok, Krabbelkinder fassen beim Entdecken der großen Welt auch alles an. Aber wie kommt ein erwachsener Mensch, der zudem auch noch eine Schusswaffe führen darf, auf die dämliche Idee, in der Körperflüssigkeit einer anderen Person herumzupatschen? Ist er vielleicht mit einer Rot-Grün-Blindheit gestraft und muss das Gesehene erst einmal einer haptischen Analyse unterziehen, bevor er die Verfolgung fortsetzen kann? Ist er vielleicht Blutfetischist (solche Leute gibt’s wirklich) und genießt einfach nur einen kurzen Augenblick der sexuellen Wunscherfüllung? Oder ist er einfach nur dämlich und muss zwanghaft das typische Hollywood-Ritual des ‘Innehaltens an der Blutspur’ zelebrieren? Ich tendiere wirklich zur letzten Möglichkeit.

Ich habe keine Ahnung, wer mit diesem Unfug angefangen hat, aber wenn man ihn einmal kritisch hinterfragt, dann bricht in einigen hundert (wenn nicht sogar tausend) Filmen ein kleines Stückchen Logik weg. Besonders ekelig wird es übrigens, wenn es sich um das Blut einer außerirdischen Lebensform oder eines sonstigen Monsters handelt. Dass die ‘Blutgrabscher’ die Finger nicht auch noch zum Mund führen, grenzt schon fast an ein Wunder. Gerade im Zeitalter von AIDS sollte man eigentlich einen etwas vorsichtigeren Umgang mit dem Blut anderer Leute propagieren. Wenn der Verfolger schon seine Finger nicht bei sich lassen kann, sollte er sich wenigstens mit Einweghandschuhen ausrüsten, um auf Nummer sicher zu gehen. Diese sind inzwischen in jedem Kfz-Verbandskasten vorgeschrieben. Wer also ungeschützt in Blutpfützen herumreibt, sollte künftig seinen Versicherungsschutz verlieren und Punkte in Flensburg bekommen.

Ich hoffe, dass ihr, wenn ihr demnächst eine ähnliche Szene in einem Film sehen werdet, ein wenig an mich denkt und euch der Rest des Films ordentlich vermiest wird, weil ihr ins Grübeln gekommen seid. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen.

Bis denne…

Squalus