“Ihre Aggressionen wurden sommerzeitbedingt umgestellt”
Montag, 29. März 2004, 20:18 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein, Genervt!, Squalus classic

Normalerweise hupf’ ich zu Gugel oder ähnlichen Suchmaschinen, wenn ich etwas nicht weiß, aber heute verweigere ich mich absolut. Mich interessiert nämlich überhaupt nicht, warum diese bekloppten Umstellungen auf Sommer- bzw. Winterzeit stattfinden. Mag sein, dass die Sonne um 12:00 Uhr mittags einigermaßen im Zenit zu stehen hat, möglicherweise möchte man durch die längeren Helligkeitsphasen in den Abendstunden auch Energie einsparen (ich glaube, das war’s sogar), aber es ist mir im Grunde genommen SCHEISSEGAL!

Man hat uns also wieder einmal eine Stunde geklaut, was sich zwar bei der nächsten Umstellung auf die Winterzeit natürlich wieder relativieren wird, allerdings geht mir das herzlich am Arsch vorbei. Ich lebe im Hier und Jetzt und deshalb juckt mich die Aussicht auf ein verlängertes Wochenende im Herbst (oder wann auch immer) überhaupt nicht.

Warum ich so einen Hass schiebe? – An erster Stelle steht natürlich wieder einmal meine Hauptgeißel: Müdigkeit! Zwar habe ich Gleitzeit, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich aus reiner Gewohnheit trotzdem kurz vor 6:00 Uhr aus den Federn hüpfe, um mir einen möglichst frühen Feierabend zu sichern. Da ein Dreiundszwanzigstundensonntag für Körper und Geist nicht ausreicht, sich vollständig an die neue Zeit anzupassen, ist an einem Montag nach der Sommerzeitumstellung 6:00 Uhr nur auf der Uhr 6:00 Uhr. Letztendlich müssen sich also Körper und Geist um verinnerlichte 5:00 Uhr aus dem Bett quälen, während einem der Wecker eine völlig andere, jedoch amtliche Zeit, vorgibt. Alles klar? – Und da soll man motiviert und frisch in den Tag starten!? Fuck!

Übrigens: Die innere Uhr kann einem üble Streiche spielen. Wohl dem, der an einem solchen Tag seine Morgenlatte nicht erst im Büro bekommt.

Ein anderer Nervtöter ist die Umstellung sämtlicher Uhren, die man so im Haushalt hat. Computer stellen sich meistens automatisch um und spucken beim Systemstart die Meldung ‘Die Uhr wurde sommerzeitbedingt umgestellt’ aus. ISDN-Telefone und moderne Autoradios machen eigentlich auch weiter keine Probleme, da sie ihre Uhren über ein entsprechend ausgestrahltes Signal abgleichen. Mein Videorecorder jedoch, der das eigentlich auch können sollte, verweigert alle halbe Jahr die Zusammenarbeit. Ja, er ist entsprechend eingestellt! Nein, er stellt die Zeit trotzdem nicht automatisch um! – Drecksteil!

Dass es auch bei der aktuellen Zeiteinstellung mit dem VCR nicht hingehauen hat, musste ich gestern wieder einmal schmerzlich erfahren, als ich einen Film aufnehmen wollte und dieser bereits seit einer Stunde fröhlich vor sich hinlief. Als sich meine Wut einigermaßen verflüchtigt hatte, konnte ich mich schon auf den nächsten Hassausbruch einstellen, denn durch einen Mangel an SCART-Anschlüssen ist der Recorder nicht permanent am Fernseher angestöpselt, was bei jedem Umstellen der Uhr eine mehr oder minder große Umverkabelung nach sich zieht. Erstens hatte ich darauf überhaupt keinen Bock und zweitens brauchte ich dafür länger als mir lieb war, weil mein Kabelsalat hinter der ganzen Unterhaltungselektronik so verknubbelt ist, dass selbst ein professioneller Strippenzieher Weinkrämpfe bekäme. Als ich die Uhr dann endlich umgestellt hatte, war ich auf hundertachtzig und bekam richtig Spaß am Leben.

Wenn man für das Umstellen aller Uhren noch einmal eine Stunde einrechnet, verkürzt sich die Freizeit an diesem Sonntag also nochmals. Unterm Strich kommen wir also auf insgesamt zwei verlorene Stunden, einen verdrehten Schlafrhythmus, einen Wochenbeginn, den man vor lauter Müdigkeit getrost als ‘falschen Film’ bezeichnen kann, verbockte Timeraufnahmen und ein weiteres Argument gegen die hirnrissige Jahreszeit Frühling. Und da soll ich noch locker bleiben? Keine Chance! Ich will Blut sehen!

Man sollte die Verantwortlichen für diesen Schwachsinn an einem Sommerzeitumstellungssonntag um punkt sechs Uhr an Turmuhren binden – besser noch nageln. Den Hals an den Minuten- und die Beine an den Stundenzeiger. Anschließend stellt man die Uhr um eine Stunde vor und fragt die Delinquenten, ob ihnen das recht sei. Ich habe mir erst überlegt, ob man die Stunde nicht langsam verticken lassen sollte, aber es muss schließlich ein Ruck durch diese Hohlbrenner gehen – daher die schnelle Methode. Bei zur Umstellung auf Winterzeit kann man diese dämlichen Zeitdiktatoren – wahrscheinlich EU-Kommissare – übrigens ruhig wieder abhängen. Mal sehen, ob sich dadurch nicht etwas verändern lässt. Verbindet man das Auf- und Abhängen noch mit einem Volksfest, darf man durchaus mit einer breiten Zustimmung in der Bevölkerung rechnen. Neben Muttertag, Halloween und Chaostagen könnte sich sehr schnell ein weiterer künstlicher Feiertag (eigentlich sogar zwei!) etablieren. Dieses kleine Trostpflaster sollte man der zeitumstellungsgeplagten Menschheit durchaus zugestehen.

Ich hätte noch eine weniger akzeptable, aber immerhin sanftere Möglichkeit, die Sommerzeitumstellung ein wenig erträglicher zu machen. Was spräche denn dagegen, wenn der anschließende Montag grundsätzlich ein arbeitsfreier Tag wäre? Jetzt soll mir bloß niemand damit kommen, dass an diesem Tag die Ausfälle für die Volkswirtschaft in die Milliarden gehen würden. In einem Land, in dem das Geld trotz hoher Verschuldung dermaßen rausgeballert wird, würde ich auf dieses Argument glatt einen Haufen setzen.

Bis denne…

Squalus



Dem Frühling eine auf’s Maul!
Dienstag, 23. März 2004, 17:16 Uhr
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Eigentlich gibt es ja nur zwei richtige Jahreszeiten: Sommer und Winter. Diese Pseudojahreszeiten Frühling und Herbst kann man im Grunde genommen überhaupt nicht ernst nehmen. Vor allen Dingen in unseren Breiten glänzen sie lediglich durch ein chaotisches Wetter-Mischmasch, das höchstens Meteorologen in Verzückung geraten lässt. Mir gehen sie jedenfalls ganz gehörig auf die Eier.

Was soll denn das für eine Jahreszeit sein, in der man morgens in der Michelin-Männchen-Daunenjacke aus dem Haus schlappt und am Nachmittag die Klimaanlage im Auto einschalten muss, damit man nicht zerfließt? Die Zeit dazwischen verbringt man damit, die Jalousien vor den Bürofenstern der Wetterlage anzupassen. Während draußen der Regen vor lauter Wind fast waagerecht fällt, knallt einem dummerweise die Sonne zur selben Zeit durch das einzige Wolkenloch blendend auf den Monitor. Egal, wo unser Zentralgestirn auch stehen mag, der Winkel ist stets so, dass der Begriff Bildschirmarbeitsplatz eine völlig neue Bedeutung bekommt:

Das BILD ist nicht mehr zu sehen

Man wünscht sich einen SCHIRM. Am besten einen Sonnenschirm.

Die ARBEIT beschränkt sich auf das Herauf- und Herablassen der Jalousien.

Man könnte vor Wut PLATZen.

Fast könnte man meinen, dass man es mit einem Killersatelliten aus ‘Akira’ oder ‘Stirb an einem anderen Tag’ zu tun hätte. Lichtintensität und Zielgenauigkeit lassen jedenfalls darauf schließen. Nun gibt es, wahrscheinlich als Abfallprodukt aus irgendeinem militärischen Forschungsprojekt, entsprechende Schutzschilde, mit denen sich der Sonnenbeschuss eindämmen lässt: Rollos und Jalousien. Damit ließe sich theoretisch eine Verbesserung der Situation herbeiführen, allerdings greift unverzüglich nach dem Herablassen derselben Murphy’s Law. Wenn die Dinger erst einmal unten sind, kann man nämlich zu 99,9% davon ausgehen, dass sich das Loch in den Wolken schließen wird und die Lichtstärke im Büro nur noch zum Züchten von Champignons ausreicht. Würden dann auch noch Luftdruck und -feuchtigkeit extrem ansteigen, könnten Tiefseefische durchaus ideale Lebensbedingungen vorfinden.

Lässt man z.B. bei uns im Büro die Jalousien hinab, verschwindet umgehend auch die Sonne hinter den Wolken. Das hat wiederum zur Folge, dass mein Kollege S. hinter seinem Rechner zusammensackt, was mich vermuten lässt, dass er entweder ein solarangetriebener Cyborg ist oder eine haarige Pflanze, die schlagartig nach dem Lichtentzug in den Calvin-Benson-Zyklus (Dunkelreaktion) übergeht.

Das Wetter ist aber nur ein Faktor, der den Frühling so hassenswert macht. Es gibt noch anderen Mist: Frühjahrsputz, Frühjahrsmüdigkeit und Frühlingsgefühle.

Den Frühjahrsputz kann man zumindest in Schwaben als gruppenzwangverordnete Erhöhung des Reinigungspensums betrachten. Da der Schwabe als solcher eigentlich permanent mit Kehrwoche, Bürgersteigfegen und Daimlerwaschen beschäftigt ist, stellt die Zeit des Frühjahrsputzes eine besondere Belastung dar, die durchaus beabsichtigt ist. In einer Art natürlicher Auslese wird nämlich im Frühling, zumindest in Baden-Württemberg, die Spreu vom Weizen getrennt. Wer dem zusätzlichen Stress nicht gewachsen ist, hat neben Auswandern meist nur die Möglichkeit, sich via Mattenflucht (i.d.R. Herzinfarkt) aus der Verantwortung zu ziehen. Die hohe Sterberate im Frühjahr hat wiederum einen reinigenden Effekt auf die wirtschaftliche Lage im Ländle: Baden-Württemberg hat nach wie vor die niedrigste Arbeitslosenquote von allen Bundesländern!

Da ich heimatentwurzelter Bremer bin und außerdem persönlichkeitsbedingt eine grundsätzliche Antihaltung einnehme, kann man mich mit kollektivem Putzzwang höchstens zum müden Lächeln, aber nicht zum Staubsaugen bewegen. Es gibt einige praktische Gründe, nicht zu putzen. So kann es z.B. ganz nützlich sein, die Fenster langsam erblinden zu lassen. Neugierige Nachbarn haben dann nämlich keine Chance, sich ein Bild von meinen Tagesablauf zu machen. Hey, ich könnte nachts bei voller Beleuchtung nackt auf dem Wohnzimmertisch tanzen und der natürliche Blur-Effekt meines Balkonfensters würde den Spannern von gegenüber sehr schnell die Lust am Fernglas nehmen. Und jetzt kommt mir nicht mit dem Gegenargument, dass ich dann schließlich auch nicht hinausschauen könne. Wofür brauche ich die Aussicht auf eine Hausfassade? Wenn ich die Welt draußen sehen möchte, dann schalte ich die Glotze ein oder surfe durch das Web. So einfach ist das.

Die Frühjahrsmüdigkeit ist bei mir ein Dauerzustand, der sich über das gesamte Jahr zieht, deshalb kann ich eigentlich nicht mitreden – Kollege S. übrigens auch nicht. Sofern man sie ausleben kann, ist ja eigentlich auch alles in Butter. Schließlich ist es eine prima Sache, wenn man sich faul irgendwo hinpflanzen oder -legen kann und seinem Schlaftrieb nachgeben darf. Blöd ist es nur, wenn dieser Trieb in Konflikt mit vertraglich geregelten Arbeitszeiten, sozialen Verpflichtungen oder fixen Terminen aller Art gerät. Rainer Werner Fassbinder prägte einst den schönen Satz: “Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.” Lässt man sich diesen Satz einmal in aller Ruhe auf der Hirnrinde zergehen, beschleicht einen das Gefühl, dass die Frühjahrsmüdigkeit Hand in Hand mit dem erhöhten Stress beim Frühjahrsputz geht und eine unheimliche Verbindung zur erhöhten Sterberate in Baden-Württemberg besteht.

Lese oder höre ich das Wort ‘Frühlingsgefühle’, kommen mir einige Bilder vor das geistige Auge. Händchenhaltende Pärchen beim Spaziergang, knutschende Pärchen auf einer Parkbank, fummelnde Pärchen in öffentlichen Grünanlagen, moppelnde Hasen auf einer Blumenwiese. ‘Frühlingsgefühle’ – wie harmlos das doch klingt. Letztendlich umschreibt dieses Wort auf romantisierende Art schlicht und ergreifend hemmungslosen Sex. Tja, Leute, es geht einfach nur um Triebe und prall gefüllte Keimdrüsen. Sofern man sich in einer intakten Beziehung befindet oder mit Erfolg promiskuitiv lebt, ist das auch alles kein Problem. Schlimm ist es nur für die zahlreichen Singles, die sich in Ermangelung geeigneter Blumenwiesenpartner in Übersprung- oder Leerlaufhandlungen flüchten müssen. Oft wird der aufgestaute Trieb durch übertriebenen Frühjahrsputz kompensiert. Im schlimmsten Fall kann dieses Verhalten sogar zum Tode führen. Es sollen schon Männer verblutet sein, weil sie beim Putzen ein Oralsex-Surrogat im Staubsauger zu erkennen glaubten. Schlecht für diese armen Kerle – gut für die Arbeitslosenstatistik von Baden-Württemberg.

Es gibt also genügend Gründe, den Frühling den Hasen zu geben. Ok, das mit den Hasen ist in diesem Zusammenhang wohl kein guter Einfall. Treten wir den Frühling lieber in die Tonne und führen uns noch kurz Sandro Botticellis berühmtes Gemälde ‘Allegorie des Frühlings’ vor Augen: Wäre es nicht eine schöne Idee, dem kleinen Engelchen, welches über den völlig zugedröhnten Haschkindern herumflattert, eine mächtig große Axt zu schenken?

Bis denne…

Squalus