My Unbloody Valentine?
Mittwoch, 14. Februar 2007, 12:19 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein, Genervt!

Seit Samstag quäle ich mich nun schon mit einem grippalen Infekt herum [Das ist übrigens auch der Grund, warum ich mich nicht beim Volk gemeldet habe. An dieser Stelle "Sorry"]. Am Wochenende lag ich komplett danieder und hoffte, die Krankheit wegpennen zu können. Montags stand ich vor der Wahl “Arzt oder Arbeit” und entschied mich für die Maloche. Am Nachmittag ging es mir dann so beschissen, dass ich mich zu Hause umgehend ins Bett legte. Gestern packte ich dann weder den Weg zur Arbeit noch den Gang zum Arzt – Nach einer durchfieberten Nacht bekam ich schlicht und ergreifend nichts mehr gebacken und blieb lieber in der Falle. Ich meldete mich telefonisch im Büro ab und verkroch mich wieder in die Federn.

Die letzte Nacht toppte die vorangegangene noch einmal in Sachen Martyrium, also beschloss ich heute Morgen, meinen Leib in professionelle Behandlung zu geben. Ich stand also etwa zehn Minuten vor der offiziellen Sprechstunde in der Praxis und schob Krankenversichertenkarte und den Quartalszehner über den Tresen. Dummerweise waren ganze Völkermassen schon vor mir auf die Idee gekommen, ebenfalls zeitig zum Onkel Doktor zu gehen. Das hatte widerum zur Folge, dass ich irgendwo zwischen zwölfter und fünfzehnter Stelle auf der Liste stand und mich auf eine gewisse Wartezeit einstellen musste.

Mir fiel im vollen Wartezimmer sofort angenehm auf, dass dieses ausnahmsweise mal nicht durch “Shit Radio” beschallt wurde. Nein, bis auf das Husten und Niesen der zahlreich anwesenden Patienten herrschte eine wunderbare Ruhe. Um 08:10 Uhr betrat dann mein hochgeschätzter Hausarzt die Bühne, indem er freundlich in alle Richtungen grüßend durch das Wartezimmer eilte. Mit mir hatte er länger Blickkontakt und bat mich im Vorüberlaufen “Drücken Sie bitte mal den Knopf da oben” – gemeint war der Einschaltknopf der Kompaktanlage, neben der ich saß. “Pech gahabt”, dachte ich noch so bei mir und knipste das Teil an. Eine halblaute Kakophonie, die zu etwa gleichen Teilen aus düsterem Hip Hop und statischem Rauschen bestand, erfüllte nun den Raum. Nach etwa fünf Minuten ging mit das Gerausche dermaßen auf den Sack, dass ich eigenmächtig am Tuner herumfummelte; mit dem Ergebnis, dass “Shit Radio” aus den Boxen schepperte. Osterlamm und Katzi verspritzten ihre übliche aufgesetzte Heiterkeit und weil Valentinstag war, durfte sich irgendein Dorfdeppenpärchen (Nicolas und Martina) einem peinlichen Lügendetektor-Verhör unterziehen. Was kann es schlimmeres geben als einen Schwaben, der im Radio krampfhaft versucht, einen Text auf Hochdeutsch vom Blatt zu lesen? “Schatz, warst du mir in dem einen Jahr und dem einen Monat, die wir zusammen sind, immer treu gewesen?” – Wow, der Kerl konnte weder sprechen noch ordentlich lesen. Mir ging es von Minute zu Minute schlechter.

Irgendwann missachtete ein hinzugekommener Neupatient meine persönlichen Grenzen, indem er sich auf den freien Stuhl neben mich setzte. Hey, eine ungeschriebene Regel besagt, dass in Wartezimmern grundsätzlich immer ein freier Stuhl zwischen den Wartenden stehen muss. Einerseits dämmt das die Ansteckungsgefahr ungemein ein (wer will sich schon die Seuche vom Nebenmann einfangen?) und andererseits braucht der Mensch schließlich seine Ellenbogenfreiheit zum Herumlümmeln. Naja, der Typ saß neben mir und war mir sofort unsympathisch, da er a) eine Basecap der New York Yankees trug und diese b) im geschlossenen Raum nicht abnahm. Hat’s im Wartezimmer etwa Klima von oben gegeben, welches das Tragen einer Kopfbedeckung erforderlich gemacht hätte? Ich konnte jedenfalls weder Regen noch Sonnenschein aus der Zimmerdecke kommen sehen. Blöd, wenn man cool sein will und meine Wenigkeit neben sich zu sitzen hat. Um den Kohl noch richtig fett zu machen, holte der Nasenbär auch noch alle fünf Minuten sein Handy raus und tippte SMS oder spielte irgendwas. Zwar war ich äußerlich völlig entspannt und schien in einer Art Meditation zu verweilen, aber in Gedanken spielte ich diverse Gewaltszenarien durch, was mich durchaus unterhielt und belustigte.

Nach zwei Stunden Wartezeit wurde ich allmählich mürbe. Mein Kopf fühlte sich an, als wenn jemand versuchte, mir durch die linke Schläfe mit einer Stricknadel die Augen von innen nach außen zu schieben. In der Zwischenzeit hatte sich das Wartezimmer merklich geleert und ich hatte das Gefühl, dass einige Patienten, die nach mir angekommen waren, vor mir an die Reihe kamen. Ich nahm es mit stoischer Gelassenheit. Als ich dann nach zwei Stunden und acht Minuten endlich dran war, ging alles recht schnell vonstatten. Ausfragen, Abhorchen, Blutdruck, Rezept, Krankmeldung und raus!

Anschließend fuhr ich noch ins Geschäft, um meine Krankmeldung abzugeben. Zwar gab es wieder einmal verwunderte Blicke, weil ich dort krank auftauchte, aber wenn ich sowieso schon über zwei Stunden beim Arzt herumhocke, machen die zehn Minuten Umweg doch eigentlich auch nichts mehr aus. Außerdem ist es mir lieber, wenn die Personalabteilung die Krankmeldung innerhalb der vorgeschriebenen Frist auf dem Tisch liegen hat. Mit denen will ich ganz sicherlich keinen Stress.

Als ich dann endlich wieder nach Hause kam, wartete noch eine nette Überraschung auf mich. Im Briefkasten klemmte(! somit wieder mal eine kaputte Hülle) ein Umschlag mit einer DVD, deren Titel ich hier nicht nennen werde, da ich mich dadurch in einer rechtlichen Grauzone bewegen würde (”Welch ein Land! – Was für Gesetze!”). Nur das Genre sei an dieser Stelle verraten, damit nicht der Eindruck entsteht, ich würde mich hier mit Pornos oder politisch fragwürdigen Filmchen eindecken: Es handelt sich um einen Klassiker aus der Horrorecke. Vielleicht schaue ich ihn mir heute Abend an. Daher auch das Fragezeichen in der Überschrift.


5 Kommentare bisher
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na dann wuensche ich mal gute besserung.. und bleib locker :)

Kommentar von FoppelNo Gravatar PHILIPPINES am 14.02.2007 um 13:18

[...] –> Gute Besserung an Squalus! [...]

Pingback von Ein Hauch von Ewigkeit - Langauer.net » Digicam wieder da und Template läuft GERMANY am 14.02.2007 um 22:46

Hey Kollege!
Auch von mir auf diesem Wege die besten Genesungswünsche. Lass doch deine Krankmeldung das nächste mal einfach in der Praxis und sag zu der Arzthelferin deines Vertrauens: “Hier, nimm das dem Stiggi mit, du Racker”.
Bis die Tage!

Kommentar von stiggiNo Gravatar GERMANY am 15.02.2007 um 07:18

Liebe Leute,

vielen Dank für die Genesungswünsche! Darüber freue ich ich mich wirklich.

Zwischenstand: Ich konnte in dieser Nacht recht gut schlafen und bin vor etwa einer Viertelstunde aufgestanden. Die infernalischen Kopfschmerzen haben nachgelassen, aber der Schädel fühlt sich immer noch an, als wenn jemand einen Luftballon darin aufgeblasen hätte. Nach wie vor Schluckbeschwerden…

Schöne Grütze
Der sterbende Schwan

Kommentar von SqualusNo Gravatar GERMANY am 15.02.2007 um 10:07

[...] Reload müsste sich die rechte nach links unten verschieben.–> Gute Besserung an Squalus!   Schlagwörter:BilderDigitalkameraDSC-W100MotorradPHPSinsheimSonySchreibe einen [...]

Pingback von Digicam wieder da und Template läuft | vanclan.de am 08.05.2020 um 06:59



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