Meine dunkle Seite
Mittwoch, 4. Juli 2007, 20:54 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein, Merkwürdigkeiten

Der Mann im beigen Janker stand unsicher auf dem Deck der Fähre und wirkte sehr ängstlich. Seine Blicke wanderten hilfesuchend zu den zahlreichen Passanten, die am Kai standen und sich bemühten, eben diese Blicke zu ignorieren. Er musste von dieser Fähre herunter! Er musste zu diesem Meeting in Heiligendamm! Der seekranke Edmund Stoiber wagte zaghaft einen Versuch, das sichere Festland zu ereichen, indem er einen vorsichtigen Schritt nach vorn tat und nun – halb auf dem Schiff, halb auf dem Kai – die Bewegungen der Ostsee mit vollem Körpereinsatz auszugleichen versuchte. Für eine Weile hielt er sich ganz tapfer, trotzdem war sein Sturz in die Fluten nur noch eine Frage von Sekunden – Die Leute am Kai schauten weg. “Wie gestern schon bei Angela”, dachte ich bei mir und beugte mich vor, um den inzwischen völlig panischen Bajuwaren aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er ergriff meine hingehaltene Hand und für einen kurzen Moment trafen sich unsere Blicke. In diesem magischen Augenblick erwog ich für den Bruchteil einer Sekunde, meinen Griff zu lösen und den Mann einfach ins Meer fallen zu lassen — Doch ich verscheuchte diesen Gedanken und zog ihn sicher an Land. Es war eine gewisse Dankbarkeit in seinem Blick zu erkennen und ich stammelte nur: “Das hätte ich auch nicht gedacht, dass ich ausgerechnet Ihnen mal helfen würde.” Worauf er ruhig erwiderte: “Ich auch nicht.” – Dann erwachte ich ziemlich verwirrt aus meinem Nachmittagsschlaf…


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