The Tulse Luper Experience
Montag, 23. Juli 2007, 15:57 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein, Film und Fernsehen

Nein, ich bin nicht tot, höchstens totmüde. Da ich heute in der Mittagspause gefragt wurde, ob ich in der letzten Woche keine Filme aufgenommen bzw. gebrannt hätte, da es gestern kein sonntägliches Filmdatenbank-Update im Blog gab, sehe ich mich genötigt, mir zumindest einen kurzen Text aus den Hirnwindungen zu pressen.

Schuld sind immer die Anderen! In diesem Fall war es R. aus Ravensburg, der mich am Freitag spontan und kurzfristig um Exil in Kornwestheim bat – Er wollte dem Rutenfest entfliehen. Da ich ja allgemein als lebensbejahender Gutmensch bekannt bin, öffnete ich also am Samstag mein Herz und die Portale zu meinen heiligen Hallen, um der armen verfolgten Kreatur Schutz und Asyl zu gewähren. Da ich zur Zeit gewichtsbedingt wieder einmal der Lehre vom leeren Kühlschrank folge, mussten wir erst einmal die nicht vorhandenen Vorräte aufstocken. Nach dem Einkauf ließen wir den Abend locker angehen und landeten nach einer Weile, wie sollte es anders sein, vor der Leinwand, um uns ein paar Filmchen auf die Netzhäute zu klatschen. Unterm Strich lief es vom Umfang her aber nicht auf eine “kleine Session” hinaus, sondern bewegte sich noch im Bereich eines “netten Filmabends”. Letztendlich haben wir nur drei DVDs in den Player geworfen: Ein Special der britischen Satire-Serie “Brass Eye” (”Paedogeddon”), die Dokumentation “The Battle of Brazil: A Video History” über Terry Gilliams Kampf gegen Produzenten und Studios sowie Trey Parkers “Orgazmo” – Den kannte R., der olle South Park Fan, noch nicht. Gegen 02:30 Uhr war ich dann dermaßen müde, dass wir die Vorstellung beendeten und uns erst einmal ordentlich auspennten.

Am frühen Sonntagnachmittag stellte ich dann die Frage: “Gucken wir noch was?” R. verkündete daraufhin, dass ihm der Sinn irgendwie nach einem Experimentalfilm stünde, was ich für eine ganz gute Idee hielt. Zuerst warf ich Ben Hopkins’ “The Nine Lives of Tomas Katz” als Vorschlag in den Raum und reichte anschließend noch Peter Greenaways “The Tulse Luper Suitcases” nach. Von Letzterem hatte ich bis dahin nur nach der Ausstrahlung im Schweizer Fernsehen beim Zusammenschneiden am PC einige winzige Ausschnitte gesehen – Diese kurzen Einblicke ließen auf auf ein recht komplexes und schwieriges Werk schließen. Wir einigten uns darauf, zunächst nur die ersten 15 oder 30 Minuten des sechsstündigen Dreiteilers anzuschauen, um dann zu entscheiden, ob wir uns den Rest weiter reinpfeifen oder lieber auf einen anderen Streifen umsteigen würden. Die Diskussion nach der abgelaufenen “Probezeit” erübrigte sich, da zu diesem Zeitpunkt bereits die unausgesprochene Übereinkunft bestand, auch noch den Rest der Geschichte zu verköstigen. So kam es, dass wir uns mit kurzen Unterbrechungen nacheinander alle drei Teile zu Gemüte führten.

Greenaway satt! Greenaway Extra Large! Greenaway Overkill! – Ich empfand die Vorstellung zwar als anstrengend, bin aber trotzdem froh darüber, dass wir uns diesen Tulse-Luper-Marathon angetan haben. Mit Sicherheit hätte ich mir dieses Kunstwerk nicht ‘mal so eben im Vorübergehen’ reingezogen. “The Tulse Luper Suitcases” sind nicht für einen entspannten Videoabend gemacht, sondern fordern den Zuschauer auf sehr hohem Niveau. Und genau deshalb war es gut, dass R. da war, denn soetwas glotzt man nicht mit Jedermann oder gar allein.

Die kulturelle Langzeitveranstaltung ging mir allerdings ganz ordentlich an die Kondition, sodass ich anschließend nicht mehr die Zeit und Muße für mein Sonntagsupdate hatte. Sofern mir nichts dazwischen kommt, hole ich es am nächsten Sonntag nach.


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Vielen Dank ;-)

Kommentar von stiggiNo Gravatar GERMANY am 24.07.2007 um 07:08



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