Technische Logorrhoe
Dienstag, 12. August 2008, 19:48 Uhr
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Unter meinem Schreibtisch im Wohnzimmer dröhnt seit etwa vier Jahren ein PC Marke Eigenbau vor sich hin. Das Gerät befindet sich allerdings schon seit einer Weile nicht mehr im ursprünglichen Zustand, da in der Zwischenzeit ein Motherboard, eine CPU, zwei Netzteile und eine Festplatte über die Wupper gegangen sind. Der Tod der Harddisk – es muss kurz nach Weihnachten 2006 gewesen sein – hatte dann auch ein lästiges und langwieriges Nachspiel, welches gestern endlich sein Ende fand.

Insgesamt sind drei Festplatten in meinem Rechner verbaut und selbstverständlich war es damals ausgerechnet die Platte mit dem Betriebssystem, die den Geist aufgab. Da ich den PC so schnell wie möglich wieder lauffähig bekommen wollte, schnappte ich mir ein ausgedientes Altgerät von meiner Recycling-Halde im Schlafzimmer, baute dessen Festplatte aus und schraubte sie in meinen vorübergehend verstorbenen Rechenknecht. Anschließend installierte ich Windows XP auf der “neuen” Platte. Es gab allerdings ein großes (eigentlich “zu kleines”) Problem, das sich erst im Lauf der nächsten Monate und Jahre immer weiter verstärken sollte: Die popeligen drei Gigabyte Speicherkapazität der transplantierten Harddisk engten XP nämlich nach einer Weile enorm ein. Dem System fehlte es schlicht und ergreifend an “persönlichem Freiraum”.

Trotz meiner Not wollte ich allerdings keine größere Platte einbauen. Das neu aufgesetzte System lief grundsätzlich gut und ich hatte einfach keinen Bock, mir noch einmal die Strapazen diverser Softwarekonfigurationen anzutun. Also begann ich nach dem Aufpoppen der ersten Meldungen, dass auf der Festplatte C: nicht genügend Speicherplatz zur Verfügung stünde, mir ein paar Lösungen zu ergoogeln. Tatsächlich konnte ich ein paar brauchbare Tipps finden. Nachdem ich die Auslagerungsdatei und den Ordner “Eigene Dateien” auf die beiden anderen Festplatten verlegt und das C-Laufwerk komprimiert hatte, war auch für kurze Zeit Ruhe im Karton.

Doch das Glück war nicht von Dauer. Mit jeder neu installierten Software schrumpfte der Platz auf dem C-Laufwerk weiter. Eigentlich installierte ich – meine Platzprobleme stets im Hinterkopf – alle neuen Programme auf die anderen Festplatten, aber man glaubt ja gar nicht, welche Datenmengen trotzdem ungewollt auf die Bootpartition geschrieben werden. Irgendwann beschwerte sich das System wieder mit aufpoppenden Warnhinweisen. Mit der Freeware “Xtreme Eraser” gelang es mir für einige Monate, mich einigermaßen über Wasser zu halten. Mit diesem kleinen Programm, das mein Virenscanner übrigens überhaupt nicht leiden kann, konnte ich mein Betriebssystem zumindest für ein paar Tage oder manchmal auch Wochen soweit bereinigen, dass es ohne lästige Meldungen lief.

Vor ein paar Wochen wurde meine persönliche Schmerzgrenze endgültig überschritten: Auf dem C-Laufwerk standen trotz aller Gegenmaßnahmen nur noch etwa 180MB freier Speicherplatz zur Verfügung, die entsprechenden Hinweise poppten andauernd auf, der Rechner brauchte schon seit längerer Zeit etwa sieben Minuten zum vollständigen Hochfahren und die Installation größerer Programme oder Updates war nicht mehr möglich, weil bereits zu Anfang solcher Aktionen die temporären Installationsdateien nicht mehr auf das Laufwerk C: entpackt werden konnten. Es wurde also langsam Zeit, das Problem ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Ich plante für meine anstehenden Sommerferien den Einbau einer größeren Festplatte und eine komplette Neuinstallation von Betriebssystem und Programmen. Ich muss zugeben, dass es mir davor wirklich graute, denn gerade meine häufig genutzen Programme im Bereich Videostreaming und -schnitt, habe ich mir über lange Zeit mühsam optimieren müssen.

Nun wollte es der Zufall, dass ich vor etwa anderthalb Wochen meinem äußerst technophilen Ex-Schwiegervater (in spe) nach etwa dreizehn Jahren Sendepause wiedertraf. Irgendwann kamen wir ins Fachsimpeln, wobei ich auch mein Problem zur Sprache brachte. Er empfahl mir das Klonen der Festplatte mit “Acronis True Image“. Die Möglichkeit des Klonens hatte ich ebenfalls schon in Erwägung gezogen, allerdings sah ich damals nicht ein, für eine einmalige Kopier-Aktion € 50,– bis € 60,– auszugeben. Zwar bin ich ein großer Anhänger von Free- und Shareware, aber auf den Gedanken, mich auch einmal in diese Richtung umzuschauen, bin ich damals irgendwie nicht gekommen.

Durch das Gespräch mit meinem Ex-Schwiegervater (in spe) angeregt, wollte ich nun endlich Nägel mit Köpfen manchen. Ich machte gestern also eine Stunde früher Feierabend, durchforstete zu Hause voller Tatendrang das Web nach Lösungen und Software und stieß schließlich auf das Programm “HDClone 3.6“, das der Hersteller Miray u.a. in einer abgespeckten aber absolut brauchbaren Freeware-Version anbietet. Der Versuch, mir die Testversion des empfohlenen “Acronis True Image” zu installieren, scheiterte übrigens daran, dass auf meinem C-Laufwerk nicht genügend Platz zur Verfügung stand – Oh, welch’ Ironie!

Ausgerüstet mit zwei Ersatzfestplatten (6GB und 40GB) von meiner bereits erwähnten Recycling-Halde und einer bootfähigen HDClone-CD machte ich ich mich umgehend ans Werk. Ich stöpselte die 40GB-Harddisk als Slave an meinen zweiten IDE-Port, setzte das CD-ROM-Laufwerk im BIOS in der Boot-Reihenfolge an die erste Stelle und startete den Rechner neu. Es folgte ein sehr langer und lehrreicher Nachmittag bzw. Abend.

Nachdem HDClone von der CD-ROM gestartet war, ging es zunächst ganz flott voran. Das Programm ist recht intuitiv zu bedienen und erfordert nur sehr wenige Eingriffe durch den Benutzer. Quell- und Ziellaufwerk auswählen und dann geht’s eigentlich auch schon los. Nach etwa zehneinhalb Minuten vermeldete HDClone einen erfolgreichen Klonvorgang. Ich schaltete den Rechner aus, jumperte die “neue” Platte auf Master, stöpselte sie anstelle der alten Systemplatte an den ersten IDE-Port und brachte die Bootreihenfolge im BIOS wieder in den ursprünglichen Zustand. Es folgte ein neuer Bootvorgang, der bis zum Windows-Logo normal verlief, dann für den Bruchteil einer Sekunde einen Bluescreen zeigte und anschließend einen Reboot verursachte. So drehte sich die ganze Sache lustig im Kreis bis ich die Geduld verlor und den Rechner ausschaltete. [Diesen Absatz darf man, sofern gewünscht, jetzt einige Male hintereinander lesen, da sich die beschriebenen Handlungen und Vorgänge in den nächsten Stunden sowohl mit der 40GB- als auch mit der 6GB-Platte wiederholen sollten. Zwischenzeitlich installierte ich sogar einmal XP auf normalem Wege auf die 40GB-Platte, verlor aber sehr schnell die Lust an der Feinkonfiguration - Ich wollte lieber klonen!]

Nach mehreren vergeblichen Anläufen hängte ich die lauffähige 3GB-Platte wieder an den Rechner und googelte nach dem Problem bzw. dessen Lösung. Der Haken an der Sache: Ich konnte absolut nichts zu diesem Thema finden. Die Leute, die im Web ihre Probleme mit HDClone schilderten, kämpften meist mit nicht erkannten USB-Festplatten. Ich war scheinbar der erste User, der sich nach dem Klonen mit permanenten Reboots herumärgern musste. Dennoch kam ich nach einigen Fehlversuchen und geduldigem Ausprobieren zu einer bootfähigen Klon-Harddisk. Da ich sowieso schon viel mehr geschrieben habe als ich eigentlich wollte, kürze ich die Sache zum guten Schluss ein wenig ab:

1. Ich hängte die geklonte Harddisk an den zweiten IDE-Port und fuhr Windows von der lauffähigen “alten” Platte hoch. Anschließend entfernte ich im Windows Explorer das Häckchen “Laufwerk komprimieren, um Speicherplatz zu sparen” in den Eigenschaften der “neuen” Festplatte. Das Dekomprimieren dauerte etwa eine halbe Stunde.

2. Bei ausgeschaltetem Rechner stöpselte ich die geklonte und dekomprimierte Festplatte als Master an den ersten IDE-Port, startete den PC neu und stellte im BIOS die Zugriffsart auf die Platte von AUTO auf LBA um. In der Boot-Reihenfolge setzte ich das CD-ROM an die erste Stelle und fuhr den Rechner mit einer bootfähigen XP-CD hoch.

3. Beim Booten von der XP-CD wurde ich irgendwann gefragt, ob ich die vorhandene Windows-Installation reparieren wolle (Stichwort: Reparaturkonsole). Wenn man diese Option wählt, kann man sich anschließend einloggen (sein Administratoren-Passwort sollte man dafür schon parat haben, ansonsten ist man angeschissen!) und die Anwendung FIXMBR starten. Dadurch wird der “Master Boot Record” (MBR) der Boot Disk repariert. Und genau das war es, was die geklonte Platte endlich zum Laufen brachte – Nach einem erneuten Reboot wurde Windows sauber und ungewohnt schnell gestartet. Sämtliche Programme und Verknüpfungen funktionierten einwandfrei. Nach sechseinhalb Stunden zähen Ringens hatte ich endlich die Tücken der Technik besiegt!

Warum ich den ganzen Kram, der sowieso keine Sau interessiert, hier so lang und breit erzähle? Weil ich mich tierisch über die gelungene Operation freue und heute einfach Lust auf’s Schreiben hatte!


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