Sozialschmarotzer römpömpömpöm
Freitag, 5. September 2008, 19:19 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein, Film und Fernsehen

So, der dritte Tag des 22. Fantasy Filmfestes in Stuttgart ist für mich bereits gelaufen. Da ich mir eine gewisse Selbstdisziplin in Sachen Filmkonsum verordnet habe, blieb es heute bei einem einzigen Kinobesuch. Und der hat sich wirklich gelohnt!

Über die Handlung der dänischen Satire “How To Get Rid Of The Others” mochte ich gar nicht zu viel erzählen, denn der Film steckt voller Überraschungen und Ideen, die ich hier nicht spoilern möchte. Im Kern geht es darum, dass sich Dänemark zu einem totalitären Staat gewandelt hat, in dem das Kriegsrecht ausgerufen wurde – Der Rest Europas, so erfährt man etwas später, ist diesem Beispiel gefolgt. Nach den sogenannten “New Copenhagen Criteria” werden gezielt Personen verhaftet und interniert, die dem Staat “auf der Tasche liegen”, d.h. Dänemark auf Dauer zu teuer werden. So werden beispielsweise Langzeitarbeitslose, Alkoholiker und Behinderte in Lager verbracht, um dort verhört zu werden. In diesen Verhören bekommen sie eine minimale Chance, um der drohenden Exekution zu entgehen: Sie müssen irgendwie beweisen, dass sie der Gesellschaft von Wert sind. Da die Gefangenen dabei allerdings hilflos der Willkür ihrer Bewacher ausgeliefert sind, gerät die “Chance” zur Farce.

Erzählt wird die Geschichte einer Handvoll Menschen, die aufgrund der “New Copenhagen Criteria” in der Sporthalle einer Schule festgehalten werden. Jeder von ihnen erfüllt gewisse Kriterien, die zur Verhaftung geführt haben. Nach und nach werden sie einzeln oder zu zweit zum Verhör durch einen Major der dänischen Armee gebracht. Diesem sitzt ein etwas tapsiger Vertreter des Parlaments als Beobachter zur Seite. Ein Schwerpunkt des Films liegt auf den Befragungen. Die Sache scheint aussichtslos, es gibt jedoch einen kleinen Hoffnungsschimmer für die Inhaftierten: Eine Widerstandskämpferin der Gruppe “Mandela” befindet sich unter ihnen und bringt die Staatsgewalt ziemlich ins Schwitzen.

Das klingt doch alles ziemlich düster, oder? Das ist es eigentlich auch, aber es handelt sich hier, wie schon eingangs erwähnt, um eine Satire. Und die ist so bitterböse und brilliant, dass man über “How To Get Rid Of The Others” getrost lachen darf. Der Plot ist schon recht extrem, aber wenn man sich die Verfehlungen der Geschichte einmal genauer anschaut, gar nicht so weit hergeholt. So erinnern die Bilder der zweckentfremdeten Schule an Diktaturen aller Art (mir kam zuerst Pinochets Chile in den Sinn). Und trotzdem ist “How To Get Rid…” ein enorm unterhaltsamer Film. Ok, der Humor ist äußerst gallig und das Lachen bleibt einem hie und da auch mal im Halse stecken, aber man fühlt sich als Zuschauer nicht unbedingt schlecht dabei.

“How To Get Rid Of The Others” ist ein sehr dialoglastiger Film. Da er im dänischen Originalton mit englischen Untertiteln gezeigt wurde, musste ich mich enorm konzentrieren. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn die Texte sind wirklich intelligent und knackig geschrieben. Trotz (oder gerade wegen) der vielen Dialoge, kommt keine Langeweile auf. Der Streifen verliert sich nicht in Geschwätzigkeit, sondern hat etwas zu sagen: Und das tut er richtig gut!

.. und dann noch das geniale Ende, hinter dem viel mehr steckt als man auf den ersten Blick zu erkennen meint! Endlich wieder ein Film mit Tiefgang, der zum Nachdenken und Diskutieren einlädt. Toll, ich bin begeistert!

Meine Wertung: 10 von 10 Punkten! (und ich scheiße an dieser Stelle bewusst auf die eher mauen Bewertungen in den gängigen Filmdatenbanken ;-) )


Keine Kommentare bisher
Hinterlasse deinen Kommentar!



Einen Kommentar hinterlassen