Stundenmotel
Samstag, 18. Oktober 2008, 11:40 Uhr
Abgelegt unter: Allgemein, Genervt!

Mannomann, dermaßen angepisst, wie ich es im Augenblick bin, war ich schon lange nicht mehr. Blutdruck und Herzfrequenz sind seit etwa einer halben Stunde noch nicht auf dem normalen Level.

Da die Winterräder für das “Ei” beim Händler eingelagert sind, bekam ich vor ein paar Wochen von diesem einen Anruf und das Angebot, mein Auto saisonal korrekt bereifen zu lassen. Außerdem stand noch ein Wintercheck an, den ich ebenfalls noch “mitnehmen” konnte. Für diese Aktionen stellte der Händler zwei Samstage im Oktober zur Wahl. Wir vereinbarten also, dass ich heute um 9:00 Uhr in der Werkstatt aufkreuzen sollte. Lockere Zeitschätzung der Frau am Telefon: “Da kommet Sie vorbei und no oir halbe Schdund sind Sie wiedr auf dr Pischd.” (Schwäbische Übersetzung by FH Wedel)

Pünktlich um 9:00 Uhr stand ich auf der Matte und fand einen leeren Empfangsschalter vor. Erst als sich ein älteres Ehepaar, das nach mir gekommen war, an mir vorbeischob und einen um die Ecke liegenden Schreibtisch ansteuerte, merkte ich, dass ich falsch anstand und stellte mich an der vorbildlich versteckten Service-Annahme an. Nach einer kurzen Wartezeit kam ich an die Reihe, gab Wagenschlüssel und Einlagerungsschein ab, worauf mir Sitzplatz und Brezel im “Café” des Autohauses angeboten wurden. Da dort schon eine Schar Kunden dicht auf dicht herumhockte und meine gesellige Ader nicht besonders gut durchblutet ist, schaute ich mir erst einmal im Showroom die ausgestellten Autos an. Das geschah selbstverständlich eher halbherzig, denn schließlich habe ich mir erst vor nicht einmal einem Jahr ein neues Auto gekauft.

Nachdem mir die Autoanguckerei zu langweilig geworden war, setzte ich mich dann doch in das “Café” und beschäftigte mich mit der erstbesten Zeitschrift, die ich in die die Finger bekam. Es handelte sich um ein automobilophiles Druckerzeugnis aus einem Verlagshaus, dem bereits die 68er “auf die Finger” hauen wollten, und über das ich mir ebenfalls schon vor ewigen Zeiten meine “Meinung gebildet” habe. Der in diesem Magazin ernsthaft propagierte Begriff “CO2 Hysteriker” bestärkte mich übrigens in meiner “gebildeten Meinung”.

Irgendwann kam es mir so vor als würde ich nicht auf meine Winterreifen sondern auf den Winter selbst warten und wurde ein wenig hibbelig. Die beiden Kunden, die vor mir an der Reihe waren, hatten schon vor einer Weile ihre umbereiften Fahrzeuge in Empfang genommen und das Weite gesucht – Anschließend tat sich nicht mehr viel, außer dass sich noch mehr Kunden ansammelten. Kurz nach zehn Uhr platzte mir innerlich der Kragen und ich stellte mich noch einmal bei der Service-Annahme an, um im direkten zwischenmenschlichen Gespräch einen Lagebericht zu erhalten – Mein Hals war inzwischen so dick, dass ich wahrscheinlich durch keine Tür mehr gekommen wäre. Als ich dann endlich meinem Unmut in sehr ruhiger, aber durchaus ätzender Art und Weise Luft machen konnte, schenkte mir der Typ hinter dem Schreibtisch lediglich ein hilfloses Schulterzucken, begab sich in die Werkstatt und kam mit der unbefriedigenden Auskunft zurück, dass der Wagen noch in Arbeit sei. Eine Erklärung, wie es zu dieser nicht unerheblichen Verzögerung kommen konnte, blieb aus.

Ich setzte mich also wieder hin, und kam kurz mit einem anderen Kunden ins Gespräch, dessen vergeudete Lebenszeit zu diesem Zeitpunkt bei fünfzig Minuten lag. Wenig später kam jemand aus der Werkstatt, rief mich aus und begleitete mich zu meinem Wagen. Immerhin war der Mann sehr freundlich und konnte dadurch meine Zorneswogen ein wenig glätten.

Warum ich so extrem angefressen bin, kann man an zwei Dingen festmachen:

  • 1. Es wäre niemandem ein Zacken aus der Krone gebrochen, mich kurz darauf hinzuweisen, dass es etwas länger dauern könne. Ich war in Sichtweite und man hätte mich einfach nur ansprechen müssen – Ich wäre mit Sicherheit nicht einmal sauer geworden. Dass ich nach einer Stunde selbst aktiv werden musste, gibt ordentliche Abzüge in der B-Note.
  • 2. Bedingt durch Punkt 1, war ich mit dem Service also sehr unzufrieden. Trotzdem muss ich zahlen, was man mir in Rechnung stellt. Meine zusätzliche Wartezeit bezahlen die mir aber nicht.

3 Kommentare bisher
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Dann würd’ ich sagen, erst mal ab auf die Dicke und bei dem Wetter ein paar Stunden rumcruisen und runterkommen! Lange ist sie ja nicht mehr angemeldet – oder ist sie schon eingemottet in der Garage?

Kommentar von SimonNo Gravatar GERMANY am 18.10.2008 um 12:57

Die Dicke ist im Augenblick leider außer Gefecht. Am vergangenen Montag wollte ich mit ihr, nachdem sie etwa einen Monat ungefahren in der Parkbox herumstand, zur Arbeit fahren. Nach dem ersten Startversuch war die Batterie vollkommen leer. Dummerweise konnte ich im Verlauf der Woche mein Überbrückungskabel nicht finden. Zum Ausbauen und Aufladen der Batterie fehlte es mir ein wenig an Zeit und Muße. Ob das diesen Monat noch etwas wird, ist fraglich. Schade eigentlich…

Kommentar von SqualusNo Gravatar GERMANY am 18.10.2008 um 18:09

An einem freien Tag einen Termin schon um 9.00 Uhr zu haben, grenzt an Folter … Klar, wegen der frühen Zeit eh schon schlecht gelaunt und dann noch diese lange Wartezeit! Da wäre ich aber auch böse angefressen.
Ich war ja heuer ganz faul, ähh clever. Bin den ganzen Sommer mit Winterreifen gefahren und habe mir die Prozedur somit gespart ;-)

Kommentar von moggadoddeNo Gravatar GERMANY am 20.10.2008 um 13:54



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