Mächtiger Badabum!
Samstag, 30. Mai 2009, 20:48 Uhr
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Wenn es nach einer ganz bestimmten kriminalistischen Faustregel geht, treibt es einen Verbrecher immer wieder an den Ort seiner Missetaten zurück. Zwar habe ich mir in meinem Leben nichts Nennenswertes zuschulden kommen lassen (höchstens mal einen kleineren Verstoß gegen die StVO), aber trotzdem trieben mich heute die Taten bzw. Tätigkeiten meiner Vergangenheit nach Leonberg. Dort sollten nämlich der Nord- und der Südbau der ehemaligen Leonberger Bausparkasse (2001 mit der Wüstenrot fusioniert) gesprengt werden, in denen ich zwischen 2000 und 2002 zwar nur kurz, aber trotzdem sehr gern, beruflich herumwuselte.

Die Sprengung war für 15:00 Uhr angesetzt und ich hatte mich zuvor im Web über die besten Aussichtspunkte informiert. Davon gab es zwei offizielle: Einer beim Berufsschulzentrum Leonberg, der andere, etwas weiter entfernt, beim Blosenberg. Ich sattelte gegen 12:30 Uhr die Dicke und steuerte über Höfingen und Gebersheim das Berufsschulzentrum an. Ich wählte diesen kleinen Umweg, weil ich wegen der weiträumigen Sperrung der Leonberger Innenstadt mit einem Verkehrschaos rechnete. Als ich losfuhr, fühlte ich mich von den lokalen Verkehrsnachrichten, die gerade zufällig im Radio liefen, bestätigt.

Um etwa 13:00 Uhr traf ich an meinem Ziel ein und war froh, dass dort noch nicht der Bär steppte. Es hatten sich bereits 30 oder 40 Personen versammelt und die absoluten Sahnestückchen des Aussichtspunktes unter sich aufgeteilt. Trotzdem gab es noch genügend freie und gute Sicht auf die Hochhäuser und ich stellte mich, nachdem ich mir eigentlich schon einen guten Platz in der ersten Reihe ergattert hatte, noch einmal 30 Meter weiter nach hinten, wo ich einen Ausblick fand, den mir in den kommenden beiden Stunden niemand mehr verbauen konnte. Ich pflanzte mein Stativ auf, schraubte die Videokamera fest, stellte mich dahinter und beschloss, mich keinen Meter mehr von der Stelle zu bewegen. Der Platz war fast perfekt, wenn man einmal von einem Baum absieht, der ein wenig ins Bild ragte.

Nach etwa einer halben Stunde stellte sich ein extrem nerviges Rentnerpaar links neben mich und begann jeden vollzuquatschen, der auch nur annähernd in dessen Richtung schaute. Ich konnte diesen langweiligen und unangenehm lauten Geprächen dadurch entkommen, indem ich grimmig dreinschaute und nur einsilbig auf direkte Ansprache antwortete. Die Wartezeit geriet zur Tortur und nachdem mir mein Nebenmann noch zweimal unbeabsichtigt gegen das Stativ getreten war, sah ich meine gut vorbereitete Aufnahme in Gefahr. Auch die später eingetroffenen Schaulustigen empfand ich mit jeder verstreichenden Minute als unberechenbare Bedrohung für das Gelingen meiner Aufnahme. Hinter mir stand irgendwann einmal ein Vater mit seinen beiden Jungs, die verständlicherweise nach vorne drängten, doch er hatte seine Racker gut unter Kontrolle und klärte sie darüber auf, dass sie vorsichtig sein sollten, damit sie dem Fotografen neben mir und meiner Wenigkeit nicht das Bildmaterial versauen. So lobe ich mir das!

In der Zwischenzeit hatte übrigens eine nicht näher genannte politische Partei die Gunst der Stunde und die große Menschenansammlung genutzt und einen Infostand nebst Freibier und Brötchen in Position gebracht. Getrunken und gegessen wurde viel, ob die Partei deswegen bei der nächsten Wahl eine herausragende Rolle spielen wird, darf bezweifelt werden. Wenn ich das so richtig mitbekommen habe, fanden eine Menge Leute diese Geschichte ziemlich peinlich.

Kurz nach 15:00 Uhr kam es dann endlich zur Sprengung und neben einem anständigen Sonnenbrand hat mir die lange Warterei auch ein ganz ansehnliches VIDEO, DAS MAN BEI YOUTUBE ANSCHAUEN KANN, eingebracht. Für die Kommentare, die darin zu hören sind, bin ich übrigens nicht verantwortlich. Ja, ich möchte mich von diesen sogar ausdrücklich distanzieren.

Wer keine 3:54 min. Zeit zum Videoglotzen aufbringen kann, darf sich die Highlights gern auch als Standbild anschauen:

Sprengung der Leobau-Wüstenrot-Hochhäuser in Leonberg (30.05.2009) - Bild 1

Sprengung der Leobau-Wüstenrot-Hochhäuser in Leonberg (30.05.2009) - Bild 2

Sprengung der Leobau-Wüstenrot-Hochhäuser in Leonberg (30.05.2009) - Bild 3

Sprengung der Leobau-Wüstenrot-Hochhäuser in Leonberg (30.05.2009) - Bild 4

Sprengung der Leobau-Wüstenrot-Hochhäuser in Leonberg (30.05.2009) - Bild 5

Sprengung der Leobau-Wüstenrot-Hochhäuser in Leonberg (30.05.2009) - Bild 6


4 Kommentare bisher
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Und ich hab’s verpasst… *heul*

Bin nachts noch vorbeigefahren, als die Linden- und Bahnhofstraße schon wieder offen waren – ziemlich unheimliches Bild.

Klasse Video! Jetzt hab ich auch Deinen YouTube-Account und muss nicht lange suchen, wenn Du endlich ne “Actioncam” für’s Moped holst.

Kommentar von SimonNo Gravatar GERMANY am 02.06.2009 um 18:42

[...] Ich konnte leider nicht vor Ort in Leonberg sein, als der Südturm im Boden verschwand und der Nordbau, naja, sagen wir, sich dem Boden ein Stück näherte (da braucht’s schon mehr als konventionellen Sprengstoff). Immerhin konnte ich in der Nacht nach der Sprengung das Gelände noch betreten besichtigen – erinnert aber mehr an einen Kriegsschauplatz als an ein gewolltes Abreißen. Leider war hier keine Kamera am Mann, deshalb hab ich meine Eindrücke mal aufgemalt. Nee, hab ich natürlich nicht, allerdings gibt es beim Kollegen Squalus lecker Bilder. Schnell nach unten gescrollt, hat man ein kleines Video. Alternativ kann man auch sein schon fertiges Video anschauen, das er ebenfalls auf seiner Seite verlinkt. Bitte auf die prima Kommentare achten; da besteht er zu Recht drauf, dass die alle von ihm selbst – und nur ihm – eingesprochen sind (sein schwäbisch wird immer besser). [...]

Pingback von Ein Hauch von Ewigkeit - Langauer.net » Eine Ära geht endgültig zu Ende GERMANY am 02.06.2009 um 19:01

ja, ich musste ein bisschen weinen.

Tolles Video!
Schöne Erinnerung !

Gruß vom Telefonknecht ;-)

Kommentar von DirkNo Gravatar GERMANY am 08.06.2009 um 20:51

[...] ich meine Eindrücke mal aufgemalt. Nee, hab ich natürlich nicht, allerdings gibt es beim Kollegen Squalus lecker Bilder. Schnell nach unten gescrollt, hat man ein kleines Video. Alternativ kann man auch sein schon [...]

Pingback von Eine Ära geht endgültig zu Ende | | vanclan.de am 02.01.2020 um 09:01



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